Die Brauerei Zipf in der NS-Zeit
Die von Franz Schaup 1858 gegründete Brauerei Zipf wurde von seinem Sohn Dr. Wilhelm Schaup zu einem modernen Industriebetrieb ausgebaut. Sie befand sich bis nach dem Ersten Weltkrieg im Besitz eines Familiensyndikats (Schaup, Kretz, Limbeck-Lilienau). 1921 mußte man, um den Kapitalmangel bei der Wiederaufrichtung des Betriebes zu beheben, die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft unter Beteiligung der Creditanstalt und der Gösser Brauerei vornehmen. Diese Bank verkaufte 1935 ohne Wissen und gegen den Willen der Zipfer Eigentümer über 40 % der Anteile an die Brau-AG. in Linz. Nach dem "Anschluss" besaß die Brau-AG in der Person des Gauleiters August Eigruber einen mächtigen Förderer. Die Nationalsozialisten setzten noch 1938 Maßnahmen, welche die Zipfer Mehrheitseigentümer entmachteten, die Linzer Minderheitseigentümer hingegen begünstigten: Ein dem NS-Regime genehmer Betriebsführer wurde eingesetzt; Verwaltungsräte, die der Familiengruppe nahestanden, wurden verhaftet bzw. zum Rücktritt veranlasst. Als Anfang 1939 ein neuer Verwaltungsrat installiert wurde, nominierte die Partei 3 Mitglieder, weitere 3 kamen von der BrauAG., nur 2 Verwaltungsräte vertraten die Zipfer Mehrheitseigentümer.
Die Brauerei Zipf wurde Ende September 1943 vor vollendete Tatsachen gestellt: ... Man hat festgestellt, daß die Zipfer Schlierkeller die Möglichkeit bieten, eine dringliche Fertigung für das Reichsministerium Speer in kürzester Zeit aufzunehmen. Die Abwehrversuche der Brauerei-Direktion waren erfolglos. Am Donnerstag der Vorwoche fand die entscheidende Aussprache statt, an der auch der Gauleiter teilnahm, wobei uns eröffnet wurde, daß die Sache Zipf gemacht wird und die baldige Aufnahme des Betriebes nach besten Kräften zu fördern ist. Der Brauereibetrieb muß, trotzdem man uns nahezu 2/3 der Lagerkeller nimmt, daneben fortgeführt werden, wofür die Voraussetzungen über die Wintermonate zu schaffen sind ... Mit den Vorarbeiten ist am Montag, den 4. d. M. bereits begonnen worden ...
Für die Auswahl des Standortes Zipf spielten sicher die räumlich-strategischen und geologischen Voraussetzungen eine bedeutende Rolle: die Nähe der Westbahn bzw. des Bahnknotens Attnang-Puchheim und der Schutz, den der elastische Schliersand dem Rüstungsbetrieb bei Luftangriffen bieten würde. Warum gerade der Zipfer Brauerei ein Rüstungsbetrieb ins Haus gesetzt wurde, steht möglicherweise mit der Konkurrenzpolitik der BrauAG. in Zusammenhang.
In den Zeiten des nationalsozialistischen Rassenwahns könnte auch die teilweise jüdische Herkunft der Zipfer Eigentümerfamilien eine Rolle gespielt haben. - Wilhelm Schaup (gestorben 1899) wäre nach den "Nürnberger Gesetzen" von 1935 von seiner Mutter her als "Mischling 1. Grades" bzw. "Halbjude" eingestuft worden; die zur NS-Zeit lebenden Schaup-Töchter immerhin als "Mischlinge 2. Grades". Die Zipfer Eigentümer waren (nachweislich seit Anfang der 20er Jahre) antisemitischem Spott ausgesetzt. Das politische Klima in Oberösterreich aber war wesentlich von Carl Beurle, dem geistigen Wegbereiter des späteren BrauAG.-Konzerns, mitgeprägt worden; er gilt um die Jahrhundertwende als Zentralfigur des völkischen Nationalismus und des Antisemitismus in Linz.