Das Konzentrationslager "Schlier"
Auf einem Pachtgrund der Brauerei, der zum Anwesen des Alfred Kretz gehörte, wurde etwas außerhalb des Ortes zwischen Redlbach und dem Güterweg nach Frankenburg das Konzentrationslager Redl-Zipf "Schlier" errichtet. Es unterstand dem Stammlager Mauthausen und bestand vom 11. Oktober 1943 bis zum 3. Mai 1945.
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| Skizze des Lagers von Prof. W. SUCHECKI (1965) | |
Das Areal war von einem elektrisch gelandenen Zaun umgeben und mit Scheinwerferbeleuchtung versehen; an den Ecken gab es Wachtürme aus Holz. Der Eingang des Lagers war straßenseitig; zwischen Block 1 und 2 befand sich der Appellplatz. Block 1 bis 4 standen mit der Schmalseite zur Straße. Block 5, am hinteren Ende des Areals und parallel zum Redlbach, diente als Küche, Lebensmittellager und bis Mitte Dezember 1943 als Krankenbau ("Revier").
Außerhalb des Lagers standen entlang des Güterweges 2 Baracken für die SS: Die eine beherbergte den Rapportführer und die Blockführer; die andere auf der Zipfer Seite die Wachposten und den Lagerkommandanten.
Paul Le Caer schildert auch die Organisation des Lagers:
Es war wie in den meisten Konzentrationslagern. Der Rapportführer überwachte für die SS die gesamte interne Organisation, führte Appelle durch usw. Der Lagerkommandant war für das gesamte Lager und vor allem für die Wachposten verantwortlich. Im Lager selbst gab es einen Kriminellen, der sich "Bunke" nannte und Lagerältester, damit auch Chef des Lagers war. Als Lagerschreiber assistierte diesem ein Tscheche namens Vlaclavic. Jeder Block hatte einen Blockältesten, welcher im allgemeinen ein deutscher Krimineller war, als Blockführer. Es gab unter ihnen nur einen Polen, ebenfalls ein Krimineller. Dem Blockältesten half ein Blockschreiber, meistens ein Pole, der deutsch sprach, da die deutschen Kriminellen sehr oft nicht schreiben und lesen konnten. Auch der Oberarzt war ein Pole, Dr. Slapca aus Posen, der die Krankenstation (Krankensaal) führte und der von dem für das Gesundheitswesen zuständigen SS-Mann Kofler überwacht wurde. Es gab auch einen Reviercapo, der die Häftlinge kommandierte. Die Küche wurde vom SS-Küchenchef geführt.
Zusätzlich zur ständigen Todesgefahr durch Erschöpfung, Hunger und Kälte waren die Häftlinge schweren Mißhandlungen ausgesetzt. Es waren vor allem die Capos, oft brutale Schlägertypen, die den Häftlingen arg zusetzten. Le Caer:
Im Lager haben sie uns das Wenige, das wir noch besaßen, auch noch weggenommen. Das Leben im Lager war unerträglich. Wir konnten uns nicht genug ausrasten. Die Fenster waren auch im Winter offen. Es gab keine Heizung, keine Decken, höchstens eine Decke für 4 Personen ... Darüber hinaus wurden wir immer mit Gummiknüppeln geschlagen, man mußte immer laufen, man durfte nie stehenbleiben. Außerdem wurde immer ein Teil unserer Essensration gestohlen. Der Capo und der Blockälteste legten sich immer eine Portion Brot und eine Portion Margarine zur Seite, um Genußmittel zu kaufen, um sie z.B. gegen Zigaretten einzutauschen... Außerdem gab es im Lager zwischen den Capos einen wahnsinnigen Krieg um Alkohol... Daher kamen wir sogar auf weniger als 1.000 Kalorien pro Tag ... Zu Mittag nur Suppe, am Abend ein Stück Brot mit ungefähr 5 g Margarine und am Morgen Kaffeersatz ohne Zucker.
Aus den erhaltenen Einlieferungs- und Abtransportslisten lässt sich schließen, dass ca. 4200 Häftlinge das Lager "Schlier" frequentierten. Die größte Belegungsdichte für dieses eher kleine Lager fällt in die mörderische Aufbauzeit (Herbst und Winter 1943/44) mit ca. 1500 Häftlingen.
266 namentlich bekannte Häftlinge starben in Zipf bzw. wurden hier ermordet.
Bei der Auflösung des Lagers konnte Paul Le Caer das "Totenbuch" vor der Vernichtung retten. Polen, Russen und Franzosen stellten demnach den Großteil der namentlich bekannten Opfer dar.

Eine Auswertung nach Sterbemonaten ergibt, daß die Aufbauzeit im Herbst und Winter 1943/44 die meisten Opfer forderte. Die im Totenbuch genannten Fälle verzeichnen keineswegs die Gesamtzahl der Opfer, da Häftlinge, die so krank und geschwächt waren, daß sie nicht mehr zur Arbeit eingesetzt werden konnten, nach Mauthausen rücküberstellt wurden, wo sie aller Wahrscheinlichkeit nach bald verstarben oder getötet wurden. Vor allem mit den jüdischen Opfern wurde so verfahren.