Rüstungsbetrieb und Konzentrationslager
"Schlier" in Redl-Zipf.
Eine zeitgeschichtliche Exkursion
Ab 1942/43 zeichnete sich die Niederlage Hitler-Deutschlands im Zweiten Weltkrieg ab. Die letztlich irrationalen Hoffnungen auf einen "Endsieg" klammerten sich an verschiedene ballistische Waffen, vor allem an die A4-Rakete, die auch V2 genannt wurde, was "Vergeltung" für die alliierten Luftangriffe suggerieren sollte. Da aber die Produktionsstätten im "Altreich" - Peenemünde, Friedrichshafen - bereits bombardiert wurden, kam es zur Verlagerung der Rüstungsindustrie in die österreichischen Gebiete. Zum Schutz vor weiteren zu erwartenden Luftangriffen wurden diese unterirdisch angelegt; z.B. in Gusen, Melk und Ebensee.
Auch nach Redl-Zipf wurde im Oktober 1943 ein solcher Rüstungsbetrieb verlegt, wo die Antriebsaggregate der V2-Raketen getestet und Raketentreibstoff in Form von flüssigem Sauerstoff erzeugt werden sollten. Dem zur Tarnung "Schlier" genannten Betrieb war ein Konzentrationslager, das zum Stammlager Mauthausen gehörte, angeschlossen. Unter mörderischen Bedingungen mussten von den Häftlingen Stollen, Bunker und Geleise gebaut sowie andere technische Voraussetzungen des Rüstungsbetriebes geschaffen werden. Hunderte Leute - Techniker, Prüfpersonal, Verwaltungskräfte, Mitarbeiter von Firmen, die z.T. ihre eigenen Zwangsarbeiter mitbrachten, Wachmannschaften der SS und der Wehrmacht und SD-Leute - bevölkerten und verunsicherten plötzlich den kleinen Ort. Vielen Bewohnern sind die brutale Behandlung der Häftlinge, das Getöse des Testbetriebs und vor allem die 2 grässlichen Betriebsunfälle in Erinnerung geblieben.