Kreativwettbewerb 2003

Mag. Helga Leitner

Kreativwettbewerb der Linzer Stadtbüchereien 2003
Thema: Abenteuer Kommunikation

Präsentation der Siegerarbeiten und Preisverleihung im Volkshaus Keferfeld am 4. April 2003, Beginn: 16 Uhr

Schüler unserer Schule gewannen in der Altersgruppe 3 (= 15 bis 19 Jahre) mit ihren Erzählungen die ersten drei Preise:


1. Preis (€ 100): Lisa HERMANN, 5.B-Klasse

2. Preis (€ 30 und Jahresabokarte): Sebastian WEISSENGRUBER, 5.B-Klasse

3. Preis (€ 30 und Jahresabokarte): Stefan WLACH, 5.A-Klasse

 


1. Preis

Lisa Hermann

Abenteuer Kommunikation
(Erzählungen aus zwei verschiedenen Perspektiven sind absatzweise ineinander geschoben)

Den Kopf auf die Hände gestützt saß sie am Schreibtisch und rutschte unruhig auf ihrem Stuhl hin und her. Warum hatte sie es getan?? WARUM??? Der Brief würde gerade in seinem Postkasten liegen, und es konnte nicht mehr lange dauern, bis er ihn lesen würde. HILFE!!

Er sperrte die Wohnungstür auf, während das Telefon klingelte. Hastig schlug er die Tür hinter sich zu, schmiss den Schlüssel auf die Kommode und nahm den Hörer ab. Vielleicht war es seine Tochter? Wie sehr er sie doch vermisste! Er hoffte, sie würde verstehen, dass er weggehen musste. Er konnte nicht mehr. Es fiel ihm sehr schwer, doch wenn er an seine frühere Frau dachte, wusste er, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte. Er ertrug es nicht, wie sie ihn verletzte, demütigte und betrog. Das musste sie doch verstehen, ODER? "Wollen Sie zu TELE 2 wechseln?? Sie könnten dann eine Stunde im Monat gratis....", hörte er eine schrille Frauenstimme sagen, doch er verstand den Rest nicht mehr, da er den Hörer voller Verzweiflung und Wut auf den Telefonapparat donnerte.

Die Fingerknöchel traten weiß hervor und immer wieder knetete sie ihre schweißigen Finger. Was sollte er von ihr denken?? Dass sie ein kleines, naives Mädchen sei, das nicht alt genug ist, um zu akzeptieren, dass er für immer fort war? Oder dass sie ihm Vorwürfe mache, da er abgehauen war, ohne sich von ihr oder ihrer Mutter zu verabschieden?

Wieso meldete sie sich nicht?? War er ihr egal?? Er versuchte sich zusammenzunehmen und einen klaren Kopf zu bewahren. So konnte es nicht weitergehen. Sie hatte während ihres letzten, kurzen Telefonats versprochen, dass sie sich wieder melden würde. Er vermisste sie doch so. Wusste sie das überhaupt? Verzweifelt und ratlos ließ er sich in den Couchsessel fallen, legte den Kopf in den Nacken und schloss die Augen. Was hatte er falsch gemacht?

Sie lief in ihrem Zimmer auf und ab, ohne zu wissen, was sie jetzt tun sollte. Wieso hatte sie das getan? Diese Frage stellte sie sich immer wieder. Wollte sie sich etwas beweisen?? Könnte man den Brief irgendwie abfangen?? Sie stellte die wildesten Theorien auf, doch keine war realistisch genug, um sie durchzuführen. Sie zweifelte an sich selbst. War sie wirklich so dumm gewesen und hatte geglaubt, ihr Vater würde ihr antworten? Sie sehen wollen???? Wie naiv sie doch war! Die Tränen liefen ihr über die Wangen.

Er schlug die Augen wieder auf und erhob sich aus dem Sessel. Hoffentlich hatte sie ihm heute etwas geschickt! Seine Beine bewegten sich automatisch zur Tür. Wie oft war er schon zu diesem Briefkasten gegangen, hatte gehofft, sie hätte ihm geschrieben, doch es war immer vergebens gewesen. Er öffnete die Tür, schloss sie hinter sich und ging mit dem Schlüssel in der Hand die Stufen zu dem Postkasten hinunter.

Sie würde hier noch verrückt werden! Er saß sicher in seiner Wohnung, amüsierte sich, während sie hier herumlungere, sich die Seele aus dem Leib weine und zu nichts fähig war. Sie wünschte, sie hätte diesen Brief nie geschrieben.

Seine Hand zitterte, als er den Schlüssel in das Schloss steckte und umdrehte. Es knackte laut und die Tür öffnete sich. Er hoffte, sie würde ihn nicht enttäuschen. BITTE NICHT!! Er holte einen Stapel Zeitschriften und Werbungen heraus. Langsam schaute er eine nach der anderen an.

Wenn er den Brief liest, würde er sich mit ihr treffen?? Sie wollte ihn unbedingt sehen, doch wollte er das auch?? War es ihm egal, wie es seiner Tochter ging und was mit ihr passierte?? In ihrem Kopf schwirrten zu viele Fragen herum, sodass sie sich weinend auf ihr Bett legte und den Teddybär von ihrem Vater fest umschloss. Wie konnte sie nur so dumm sein, ihm zu schreiben??

Sein Blick blieb auf einem weißen Umschlag hängen. Diese Schrift kannte er doch! Oh Gott, sie hatte es getan!!!! Er könnte die ganze Welt umarmen! Er müsste ihn sofort lesen und ihr zurückschreiben. Er konnte es noch gar nicht glauben. Wie konnte er sich nur so in seiner Tochter irren und annehmen, sie hielte ihre Versprechen nicht und vergesse ihn.

Niedergeschlagen ging sie aus ihrem Zimmer, die Treppe in die Küche hinunter, zu ihrer Mutter, um zum Alltag zurückzufinden und den Brief zu vergessen.


2. Preis

Sebastian Weissengruber

Er rannte sofort ins Schlafzimmer, das, da er nur zwei Zimmer besaß, das nächste war, griff unter sein Bett und zog seine Trompete hervor. Sie war schon alt, aber klang noch ziemlich gut. Er hatte sich schon zur Matura eine neue gewünscht, aber das Geld reichte einfach nicht. Außerdem kam er, seitdem er Jus studierte, kaum noch zum Spielen. Aber heute musste er sie wieder einmal auspacken, denn gerade vor fünf Minuten hatte einer, der gegenüber von ihm wohnte, begonnen, bei offenem Fenster Saxophon zu spielen. Es war ein Tenor-Saxophon und dieser Jemand beherrschte es sogar ziemlich gut. Stefan Berger lebte in einer billigen Wohngegend, wo viele kleine Mietwohnungen auf wenig Platz erbaut worden waren. Es lebten dort vor allem Studenten wie er und alleinstehende Pensionisten, die sich aber nichts zu sagen hatten. Stefan stand mit seiner Trompete vor seinem Fenster und lauschte der Melodie des Saxophons. Es war alles auf einer simplen Grundmelodie aufgebaut, die der Saxophonist umspielte. Sich ihr näherte und sich wieder entfernte. Stefan begann diese Melodie nachzuahmen. Der Saxophonist ging darauf ein und begann sich weiter von der Melodie zu entfernen, die Stefan so gut hielt. Doch plötzlich begann er selber in die Grundmelodie einzusteigen und Stefan verstand. Er begann sich von der Melodie zu lösen und spielte über die Melodie des Saxophonisten ein Trompeten-Solo. Als sie schließlich beide ein passendes Ende gefunden hatten, begann ein E-Bass Spieler eine funkige Blues-Bass-Line zu spielen und Stefan und der Saxophonist stiegen nach der Reihe ein. Am nächsten Tag zur selben Zeit spielten die drei wieder eine Session, aber diesmal war auch ein Schlagzeug dabei. Und eine Geige war auch schon fast regelmäßig mit im Spiel. Und so wurden es immer mehr Leute und Instrumente und jeden Tag spielten ein paar andere zusammen. Manche spielten leichte Lines und Begleitungen und andere wieder komplexe Rhythmen oder Soli. Einmal stimmte einer ein trauriges Lied an und ein anderes Mal wurde fröhlich und schnell gespielt. Jeder drückte seine Gefühle und Gedanken durch sein Instrument aus. Manche führten sogar musikalische Duelle oder stritten sogar.
Bis eines Abends jemand die Polizei rief, die das Konzert unterbrach und sogar einige junge Männer, die sich wehrten, mitnahmen. Und seit diesem Tag war die Straße wieder das, was sie immer gewesen war. Ein Ort, an dem die Menschen, die einander dort trafen, nicht miteinander kommunizierten.


3. Preis

Stefan Wlach

Kommunikation auf offener Straße


Ich drückte meinen Körper durch die menschenüberfüllte Straße. Hunderte von Eile gepackte Leute schoben sich an mir vorbei; die Enge erschwerte mir das Atmen. Mein Vorankommen schien langsam, meine Beine schienen nicht willig mich zu tragen. Ich war bemüht, meinen Blick auf mein Ziel fixiert zu lassen, doch wurde mein Blickfeld immer wieder von Köpfen durchschnitten. Durch den heftigen Drang wurde ich ungewollt von einem Seitengässchen aufgenommen, welches lediglich vereinzelt von Passanten durchzogen war. Ich suchte meinen Atem zu beruhigen, hatte kurzweilig meine Handflächen auf den Knien gestützt und den Blick zu Boden gerichtet. Dann hob ich den Kopf wieder, betrachtete die bunt überflutete Straße, soweit ich in sie einblicken konnte; machte hie und da Großgewachsene aus, die sich durch ihre Erscheinung hervorhoben.
Ein Knarren lenkte meinen Blick auf eine Seitenwand des Gässchens, aus der nun eine alte, von Rissen geprägte Türe schwenkte. Ein Mann trat hervor, schielte mit einem kurzen Verdrehen der Augen zu mir herüber und meine Gedanken mussten kurz von der Straße und meinem Ziel ablassen.
Er ging an mir vorüber; den Kopf keineswegs gesenkt und dem Gesicht ein überlegenes Lächeln aufgedrückt. Er steuerte auf die Straße zu, von der ich zuvor verdrängt worden war; doch diese Überfülltheit schien er nicht wahrzunehmen. Es schien mir sogar, dass er seinen Schritt beschleunigte. "Warum hasst du mich?", rief ich ihm nach. Meine Worte stoppten ihn. Er drehte sich um und blickte mich mit Augen an, hinter denen sich keinerlei Unverständnis wiederfinden ließ. "Wie musst du mich hassen, so dass du mir dies antun kannst", sagte ich und er machte einen Schritt in meine Richtung. Lautes Lachen nahm ihn ein. "Du hast Recht", sagte der Mann, nachdem sein Lachen in ein Lächeln übergegangen war, "welch schlechten Charakter muss ich haben, um dein Befinden derart auszunützen". Doch diese Einsicht schien mir nicht wirklich. "Sieh dich an. Armselig bist du!" Seine Stimme verlieh der Aussage grässlichen Nachdruck. "Ich bin fremd in dieser Stadt. Du urteilst zu schnell!" Ich suchte meine Situation zu rechtfertigen, doch dies schien ihn lediglich noch selbstbewusster zu machen. "Ich stehe hier, hilflos, wie ich bin" sagte ich, "du gehst an mir vorüber, den Kopf hoch, würdigst mich eines verächtlichen Blickes und scheinst geradezu darauf zu warten, dass ich dich anspreche. Du lässt dich in dem Strom der Menschen mitreißen und hast deine Freude daran; genau das wirst du tun, sobald dieses Gespräch beendet ist. Doch du tust es nicht, weil es dir gefällt von Menschen beengt zu werden. Nein, du tust es, um dadurch deine Überlegenheit mir gegenüber auszudrücken. Du hättest nie Erledigungen in der Stadt gemacht, wärst ziellos umhergelaufen; irgendwann wieder heimgekehrt. Du sahst mich hier auf der Straße, wie ich mich zu erholen suchte, wie ich nach Luft rang, wie ich diese Menschen, die hastig die Straße hinunter laufen, verfluchte. Daraufhin öffnetest du die Türe und gingst dieser Straße entgegen."
Ich fiel auf die Knie und drückte mein Gesicht auf den Boden. Tränen liefen mir aus den Augen. Ich hörte des Mannes Schritte, wie sie sich entfernten. Ich hob den Blick, ließ meine Hand eine Träne abstreifen und sah, wie er sich von dem Fluss aus Menschen mittreiben ließ.