50 Jahre Schulgeschichte BG/BRG Rohrbach Rohrbach
Ein Rückblick von Mag. Elisabeth Mayrhauser

 

Der Gründungsmythos:   „1-9-6-3 das BRG Rohrbach schlüpft aus dem Ei”

Fünf Jahrzehnte sind seit dem Gründungstag der Rohrbacher Mittelschule verflossen. Nur ein kleiner Teil der talentierten Kinder hatte  damals die Möglichkeit eine allgemein bildende höhere Schule zu besuchen. Unter Berufung auf die so oft von Spitzenpolitikern geforderte Chancengleichheit, wurde von einem Proponentenkomitee engagierter Eltern die Gründung des BRG Rohrbach initiiert.

Nach sehr langwierigen Verhandlungen mit dem Unterrichtsministerium begann am 12.9.1963 der lang ersehnte Unterricht mit einer ersten, dritten und vierten Klasse im Neubau der damaligen Rohrbacher Volksschule. Diese neuen Klassen wurden in der Anfangsphase als Expositur des 2. Bundesgymnasiums Linz geführt,  mit deren  pädagogischer Leitung  Dr. Erich Ettmayer betraut war.  

Mit der Gründung und der feierlichen Eröffnung der Schule am 24.11.1963 ist  vor allem OLGR Dr. Karl Auzinger  (Foto) als Hauptinitiator verbunden, der sich im Proponententeam  besonders profilierte.

 

Ära Dr. Erich Ettmayer  (1963- 1970)                                                           

Grundsteinlegung für das neue Schulgebäude

Durch das enorm große Einzugsgebiet der SchülerInnen aus dem Bezirk Rohrbach wird  bald die Notwendigkeit eines Schulneubaues erforderlich. Bereits am 29.10.1966 erfolgt der Spatenstich  für das Bauprojekt am Standort Ehrenreiterweg.

Feierliche Eröffnung des neuen Schulgebäudes

Am 1.1.1969 etabliert  sich  die Schule unter dem  Namen  “Bundesrealgymnasium Rohrbach”. Im Oktober desselben  Jahres  kann  auch das neue Schulgebäude bezogen werden. Endlich hat jede Klasse einen eigenen Klassenraum. Es ist genug Platz für die Sammlungen der Naturwissenschaften, für Experimentiermöglichkeiten in den Naturgeschichts-, Physik- und Chemiesälen. Weiters gibt  es einen Musik- und Zeichensaal und eigene Handarbeitsräume. Besonders große Freude bereiten  SchülerInnen und   LehrerInnen die beiden  neuen Turnsäle.  

Foto (privat): Direktor Dr. Erich Ettmayer  mit dem Schulschlüssel

 

Es ist aber auch eine Zeit des  LehrerInnenmangels. Für Direktor Ettmayer stellt es eine große Herausforderung dar, für den exponierten Schulstandort Rohrbach geeignete Lehrkräfte zu gewinnen. So ist es nicht verwunderlich, dass Pfarrer Albert Dorninger, ein Lehrer der ersten Stunde, mit einer Genehmigung vom Landesschulrat  berechtigt ist, alle Fächer am Gymnasium zu unterrichten.

Direktor Ettmayer setzt sich auch für eine Verbesserung der Fahrpläne der öffentlichen Verkehrsmittel ein, kommen doch 70% aller Jugendlichen aus 34 Gemeinden des Bezirkes Rohrbach und sind “FahrschülerInnen”. Gemeinsam mit dem Elternverein richtet er Lernstunden ein, um die Wartezeit auf die Busse am Nachmittag sinnvoll zu gestalten – ein Vorläufermodell der heutigen Nachmittagsbetreuung.

  

Foto ( privat)  Schuleröffnungsfeier. Vordere Reihe von links nach rechts:
Direktor Dr. Ettmayer, Bundesrat Alois Hötzendorfer, Vertreter von Bautenminister Moser, Dr. Schmelz, Bundesrat Otto Liedl, Präsident d. OÖ Landtags Dr. Lelio Spannocchi, Nationalrat Ing. Leopold Helbich

 

Foto (privat): Direktor Ettmayer mit Administrator Prof. Josef Landertshamer und Pfarrer Albert Dorninger.

 

Ära Hofrat  Dr. Alois Sonnleitner (1970- 1980)

Nach dem Tod von Direktor Dr. Erich Ettmayer wird Dr. Alois Sonnleitner zum neuen Direktor der Schule bestellt. In seine Ära fällt der Schulneubau am heutigen Standort in der Hopfengasse 20. Für 21 Klassen konzipiert und mit diversen Funktionsräumen – vom Sprachlabor bis zu drei Turnsälen in der Bezirkssporthalle -ausgestattet, verfügt die Schule über eine sehr anspruchsvolle Infrastruktur. Jede Klasse wird mit einem Diaprojektor und einem Overheadprojektor ausgestattet, eine für die damalige Zeit sehr moderne Einrichtung. All diese Initiativen für einen modernen Unterricht sind auf das Engagement von Direktor Dr. Alois Sonnleitner zurückzuführen.

Die feierliche Eröffnung erfolgt am 9.1.1979. Dazu ein Ausschnitt aus dem “Tagblatt”:

“Unterrichtsminister Fred Sinowatz in Rohrbach. Festliche Eröffnung des Bundesrealgymnasiums.

Fröhliche Gesichter bei jung und alt- vor allem bei den Schülern, weil sie schulfrei hatten- gab es gestern Vormittag bei der Eröffnung des neuen Bundesrealgymnasiums. Erst spielte unter strahlender Herbstsonne die Blasmusik, dann leitete ein Schülerchor zur Begrüßung der vielen Ehrengäste durch Anstaltsleiter Dr. Sonnleitner über. Nachdem er festgestellt hatte, dass hier bereits seit neun Monaten sozusagen illegal gelehrt und gelernt wurde, dankte er Unterrichtsminister Fred Sinowatz für dessen Kommen, was von der Festgemeinde mit starkem Applaus quittiert wurde……… An die Jugend gewendet, erinnerte der Minister daran, dass Wissen das Leben bereichere und dass Wissen wichtiger sei als Reichtum von vorgestern…..                                                                          
Mit einer humorvollen Geste endete die Eröffnungsfeier. Der Leiter des Bundesgymnasiums, Hofrat Sonnleitner, überreichte an Dr. Sinowatz und eine Reihe weiterer Ehrengäste holzgeschnitzte “Orden” zur Erinnerung und beschenkte sie überdies mit selbstverfassten , auf den jeweiligen Namen sich reimenden Gedichten.”

Es ist auch die Zeit der Konfrontation mit der 1968er- Jugend und die Phase der Bildungsexplosion in Österreich. Auch in Rohrbach spürt man diese Aufbruchsstimmung. Mit 1.4. 1974 tritt das Schulunterrichtsgesetz (SCHUG) in Kraft.

Es stellt den gesamten inneren Schulbetrieb auf eine klare rechtliche Grundlage und ist, abgesehen von jeweiligen Novellierungen, bis heute gültig.
Das Schuljahr wird  in zwei Semester unterteilt, statt der bisherigen Dreiteilung (Trimester),      das gesamte Prüfungswesen und Beurteilungssystem  neu organisiert. Der wesentlichste Punkt dieses neuen Gesetzes umfasst die Einführung schuldemokratischer Entscheidungen durch gemeinsame Beschlüsse der Schulpartner. Es ist die Geburtsstunde des Schulgemeinschafts-ausschusses (SGA), in dem je 3 Vertreter von LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern  gleichberechtigt  diskutieren und entscheiden.

In den 70er-Jahren folgten weitere Reformen unter Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky (kostenlose Schulbücher, Ausbau der Schülerbeihilfen, Schülerfreifahrt…). Trotz sinkender Geburtenrate ab 1965 hat sich ein höherer Prozentsatz der Jugendlichen für den Schulbesuch im BRG Rohrbach entschieden. Bis 1982 bleibt die SchülerInnenanzahl annähernd konstant. Ab dem Schuljahr 1983/84 erfolgt wieder ein Einbruch der SchülerInnenanzahl.  1986–1989 wird sogar ein Minimum von knapp 500 SchülerInnen erreicht.  

Abbildung: Prof. OStR Mag. Josef Böck

 


Der Lehrkörper des BRG Rohrbach unter der Leitung von Direktor Dr. Alois Sonnleitner

3. Reihe von links nach rechts: Hiesmayr Herbert, Türk Dietmar, Ecker Roland, Wakolbinger Ferdinand, Dr. Kirchmayr Franz, Hannesschläger Helmut, Zöhrer Wolfgang, Tusek Gerhard, Schmid Franz, Diendorfer Maximilian, Pfarrer Augustin Keinberger
2. Reihe: Dr. Ferdinand Heinrich, Schmid Raimund, Dr. Humenberger Franz, Dr. Schiller Josef, Pfarrer Albert Dorninger, Dr. Dunzendorfer Wilfried, Böck Raimund, Rathgeb Rudolf, Dr. Michlmayr Wolfgang, Prieth Jürgen, Schindlbauer Manfred                           
1. Reihe: Jill Silver, Hacker Erika, Schiller Helga, Horbaschek Katharina, Direktor Dr.Sonnleitner Alois, Dr. Dunzendorfer Marianne, Pfaffeneder Erika, Tusek Hedwig, Hable Erika                                                                                    

Eine Erweiterung des Lehrplanes am naturwissenschaftlichen Realgymnasium Rohrbach erfolgt 1976/77 mit der Einführung des Unterrichtsgegenstandes  Darstellende Geometrie.

 

Ära Hofrat Dr. Wilfried Dunzendorfer (1981- 2000)

Am 1.1.1981 übernimmt Dr. Wilfried Dunzendorfer, der bis dahin selbst an der Schule als Lehrer für Biologie gewirkt hatte, die Schulleitung. Oberste Priorität haben  in den Anfangsjahren die Angliederung eines “Neusprachlichen Gymnasiums” zum bestehenden Realgymnasium  und die Errichtung einer Schulbibliothek mit 7000 Bänden. 1997/98 hat sich  ein neuer Zweig mit Französisch ab der dritten und Latein ab der fünften Klasse etabliert.

Die Schulautonomie lässt  weitere Innovationen zu. Erste Fachbereichsarbeiten werden geschrieben, Wahlpflichtgegenstände ab der sechsten Klasse können von den SchülerInnen je nach Interesse gewählt werden. Die Informatik hält Einzug in die Klassenzimmer.

Die Allgemeinbildung und die Erhaltung der achtjährigen Langform der AHS haben für Hofrat Dr. Dunzendorfer immer Priorität. Die SchülerInnen sollen für ein Hochschulstudium oder eine andere anspruchsvolle berufliche Ausbildung bestens vorbereitet werden.  Freigegenstände und unverbindliche Übungen werden für die SchülerInnen im Sinne von Begabtenförderung  bedeutsam erweitert: Maschinschreiben, Mathematik-Olympiade, Chemie-Olympiade, Volleyball, Faustball, Schülerliga Tennis und Fußball, Bühnenspiel und EDV. 
Direktor Dunzendorfers Stolz ist aber auch die Gestaltung der Grünflächen auf ökologischer Basis im Umfeld der Schule und die Errichtung eines Biotops. Mit seinem ambitionierten Biologenteam schafft  er einen ansehnlichen Naturpark, der für einen praxisbezogenen Unterricht  rege genutzt wird.

Die Dynamik und  Innovationsbereitschaft der Schule schafft ein attraktives Unterrichts- und Schulklima. Das Interesse an SchülerInnenanmeldungen steigt massiv an. Die Schule ist mittlerweile auf 26 Klassen angewachsen. Ein Zubau mit 9 Klassen, einem modernst ausgestatteten Multimediaraum, einem Musiksaal und einem repräsentativen Festsaal wird errichtet und im Herbst 2000 bezogen. Der Schlusspunkt dieser Schulentwicklung erfolgt bereits unter dem neuen Direktor Mag. Franz Andexlinger.

 

 Ära Hofrat Mag. Franz Andexlinger (ab 2000)

 Seit 1. März 2000 leitet Hofrat Mag. Franz Andexlinger das BG/BRG Rohrbach. Die Ära Andexlinger fällt mit dem Jahrtausendwechsel zusammen und zeichnet sich durch die Modernisierung des Schulgebäudes aus. Am 27. April 2001 wird der Zubau von Bundesministerin Elisabeth Gehrer und Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer feierlich eröffnet. 

Von 2002 bis 2004 erfolgt dann die Sanierung des gesamten Schulhauses:
Vergrößerung der multimedialen Schulbibliothek und Ausstattung mit Computerarbeitsplätzen und Schaffung eines modernen Präsentationsbereiches. Alle Klassen werden mit Beamern und Lautsprechern ausgerüstet, die Aula neu gestaltet, das Lehrerkonferenzzimmer mit zwei getrennten Sozialräumen adaptiert. Im Untergeschoß werden drei neue Informatikräume eingerichtet und im Eingangsbereich ein Schülercomputerraum mit Glaswänden, liebevoll  „Aquarium” genannt. Auch der Garderobenraum der SchülerInnen wird mit abschließbaren Schränken ausgestattet.

Foto: Zubau und verglaster Verbindungsgang  zum  Schulgebäude 

 

Das neue Jahrtausend macht sich aber nicht nur in der Architektur der Schule bemerkbar, sondern leitet durch die großzügige Ausstattung mit Computern auch eine neue Ära des modernen Unterrichts ein.

Informatik in den ersten Klassen als Pflichtgegenstand wird seit dem Schuljahr 2001  unterrichtet. Die ECDL – Prüfung kann direkt am BG/BRG Rohrbach abgelegt werden, weil die Schule ein autorisiertes Testcenter des „Vereins zur Förderung des ECDL an Schulen und in der öffentlichen Verwaltung“ darstellt. Das Sprachangebot am Realgymnasium wird ab 2002/03 um den alternativen Pflichtgegenstand Spanisch erweitert und seit dem Schuljahr 2003/04 können die SchülerInnen der vierten Klasse zwischen den Pflichtgegenständen „Naturwissenschaftliches Praktikum“ und  „Literatur und Kunst“ wählen.

2005 nimmt die Schule als Pilotschule am eLSA- Projekt (e-Learning im Schulalltag) des Unterrichtsministeriums teil und wird daraufhin als zweite Schule Österreichs zertifiziert. Unsere Schule zählt somit zu den fortschrittlichsten  des Landes. Dies zeigt sich auch darin, dass das BG/BRG Rohrbach bei verschiedenen Wettbewerben großartige Erfolge verzeichnen kann. Auch manche LehrerInnen folgen dem neuen Trend und  lassen sich mit EPICT zertifizieren.

Am BG/BRG zählt aber nicht nur die intellektuelle Förderung, sondern auch das soziale Lernen und das Miteinander. Der soziale Gedanke und das Bedürfnis auf die Erschwernisse und Herausforderungen der heutigen Jugend zu reagieren, macht die Gründung des „Psychosozialen Netzwerkes“  2001/02 notwendig. Eine Gruppe von LehrerInnen  ist  dafür verantwortlich, einzelne SchülerInnen oder auch Klassen bei Problemen aller Art zu begleiten und  krisenhafte Situationen zu bewältigen. Durch Projekte, wie das Begleitschüler-System, Lernen lernenPeer-Mediation, Die Polizei informiert und andere erfahren unsere SchülerInnen Unterstützung und werden auf lebensnahe Situationen vorbereitet.

Unsere Schule bietet auch Platz für die Entwicklung sportlicher Talente. So erreichten unsere SchülerInnen nicht nur Erfolge auf Landesebene, sondern mehrere Meistertitel auf Bundesebene wie z.B. im Faustball und Golf.

Das BG/BRG Rohrbach hat viele Persönlichkeiten in Politik und Wirtschaft hervorgebracht. Hervorragende Beispiele sind die Chefredakteurin der Tageszeitung „Der Standard“, Dr. Alexandra Föderl-Schmid, Wirtschaftsminister Dr. Reinhold Mitterlehner, der ehemalige Sozialminister Dr. Erwin Buchinger und Dr. Georg Ransmayr (ORF).

Das Gymnasium Rohrbach hat sich auch frühzeitig mit aktuellen Themen wie Zentralmatura und modularer Oberstufe beschäftigt. Die Ergebnisse vergangener Reifeprüfungen mit teils zentral gestellten Aufgaben (z.B. im Fach Englisch) zeigen bereits den Erfolg des eingeschlagenen Weges.

Zum Abschluss eine interessante statistische Auffälligkeit. Der Anteil der Mädchen am BG/BRG Rohrbach ist deutlich höher als der Anteil der Burschen. Schon 2009 wurde ein Höchstwert erreicht. Im aktuellen Schuljahr 2012/13 sind 60% unserer SchülerInnen weiblich.

 

logoend.gif (2197 Byte)   Home