LEHRPLAN - WIRTSCHAFTSKUNDL. REALGYMNASIUM

Zum Lehrplan 4.Klasse HS/AHS

Bildungs- und Lehraufgabe

Der Chemieunterricht dient einerseits dazu, die Schülerinnen und Schüler mit dem Wissen und den Grundfähigkeiten zur Bewältigung stofflicher Alltags-, Freizeit-, Lebens- und Berufsphänomene auszustatten und hat andererseits die Aufgabe, die gesellschaftliche Erziehung im Bereich von Natur und Materie vorzunehmen.

Die Aufgabe des Chemieunterrichtes im wirtschaftskundlichen Realgymnasium ist es daher, die Schülerinnen und Schüler , ausgehend von deren Erfahrungsbereich und unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten, zu einem naturwissenschaftlich funduiertem ökonomischen und ökologischen Denken hinzuführen. Dies geschieht durch:

Anleitung zum bewußten Beobachten chemischer Vorgänge
Kennenlernen chemischer Prinzipien und Arbeitstechniken
auch anhand selbst durchgeführter, möglichst alltags- und wirtschaftsbezogener Experimente
Schulung des einfachen Modelldenkens unter Einbeziehung
vorhandener Schülervorstellungen
Erfassung der Zusammenhänge zwischen Mikrokosmos
und alltäglichem Erfahrungsbereich
Verstehen der Bedeutung der Chemie für alle
Lebensformen und Lebensvorgänge

Der Chemieunterricht hat weiters die Aufgabe, die Schülerinnen und Schüler in die Lage zu versetzen, die volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung der Chemie in Haushalt, Wirtschaft, Alltag, Umwelt und Technik altersgemäß einzuschätzen, sowie auf die Berufs- und Arbeitswelt vorzubereiten. Dies geschieht durch:

Hinführen zu einem Verständnis für Stoffkreisläufe, für die Wechselbeziehung Ökonomie - Ökologie
und damit zu umweltbewußtem Handeln sowie zu Energie- und Rohstoffsparen
Kritische Auseinandersetzung mit den Gefahren der Anwendung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse
und ihrer Umsetzung bei Produktionsabläufen, sowie mit technikfeindlichen und unwissenschaftlichen Vorurteilen
Förderung des Verständnisses chemischer Zusammenhänge in den Bereichen Haushalt, Ernährung, Hygiene, Medizin, Pharmazie, Warenkunde und Fremdenverkehr.

Ferner soll der Chemieunterricht im Sinne der Persönlichkeitsentwicklung das Bewußtsein für Eigenverantwortung im beruflichen und privaten Bereich fördern und zu mündigem Freizeit- und Konsumentenverhalten führen. Dies geschieht durch:

Erziehung zu Team-, Kommunikations- und Solidarfähigkeit
sowie Erziehung zu Genauigkeit, Sorgfalt und Verantwortung
Förderung der Gesundheitserziehung, des Zivilschutzgedankens
sowie des sicherheitsbewußten Handelns

Beiträge zu den Bildungsbereichen:

Natur und Technik : durchgängige Gültigkeit materieller Aufbauprinzipien füf sämtliche Bereiche der Natur, technische Errungenschaften der Gesellschaft unter Berücksichtigung der Widerspiegelung innerer Aufbauprinzipien in äußeren Eigenschaften.
Sprache und Kommunikation : Unterschied zwischen Alltags- und Fachsprache / Symbolsprache
sowie präziser Sprachgebrauch und präzises Argumentationsverhalten bei Planung,
Beobachtung, Beschreibung und Protokollierung chemischer Vorgänge.
Mensch und Gesellschaft : Bedeutung der Naturwissenschaften für
den Lauf der Geschichte und die gesellschaftlichen Bedingungen, Verknüpfung der Begriffe
Wirtschaft - Technik - Wertung - Verantwortung - Ethik.
Kreativität und Gestaltung: ästehetische und emotionale Bezüge zur stofflichen Um- und Mitwelt.
Gesundheit und Bewegung : Umgang mit Gefahr- und Altstoffen, Ernährungs- und Gesundheitserziehung,
Aufklärung über Drogen und Doping, Bedeutung der Hygiene, Bedeutung der Chemie für den
medizinischen Fortschritt.

Didaktische Grundsätze

Der Chemieunterricht soll überwiegend von der Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler ausgehen. Prinzipiell ist der induktive Weg zum Erkenntnisgewinn anzustreben. Dies bedeutet, dass vom Lehrerexperiment und vor allem auch vom Schülerexperiment auszugehen ist. Dabei ist den Schülerinnen und Schülern Gelegenheit zu möglichst selbstständigem Suchen, Forschen und Entdecken zu geben. Unter anderem sollen einfache Modellvorstellungen sowie das Periodensystem der Elemente für Erklärungen herangezogen werden. Bei der Formulierung von Gesetzen ist auf qualitative und Je-desto-Fassungen besonderer Wert zu legen.

Der Unterricht soll auch durch moderne Lehr- und Sozialformen (z.B. Teamarbeit) das Lernen im sozialen und emotionalen Bereich fördern. Darüber hinaus sind auch neue Technologien wie Unterrichtssoftware und elektronische Informationssysteme zu nützen.
Bei der Unterrichtsgestaltung ist ein ausgewogenes Verhältnis von exemplarischer Vertiefung (z.B. durch Projektunterricht, Lehrausgänge und Exkursionen) und informierender Darbietung (womöglich unterstützt durch Experimente oder Formen des Medieneinsatzes) anzustreben.
Chemieunterricht ist Sicherheitserziehung im weitesten Sinne. Daher muß hier ganz besonders auf Gefahren, die von Stoffen und Reaktionen ausgehen, hingewiesen werden, ohne zu dramatisieren oder zu verniedlichen. Durch den vorschriftsmäßigen Gebrauch von Sicherheitsausstattung und - Hilfen sind die Schülerinnen und Schüler beim Experimentieren auch aktiv an die Sicherheitsstandards zu gewöhnen. Die Entsorgung ist vor allem wegen der Vorbildfunktion demonstrativ sorgfältig durchzuführen.

LEHRSTOFF

Kernbereich

3.Klasse

Einteilung und Eigenschaften der Stoffe

Einsicht gewinnen in die verschiedenen Einteilungskriterien für die Materie
Einsicht gewinnen in die Eigenschaften der Gemenge und Reinstoffe
Kennenlernen der Möglichkeiten zur Trennung von Gemengen am Beispiel wirtschaftlich wichtiger Trenn- und Aufbereitungsverfahren

Aufbauprinzipien der Materie

Einsicht in ein altersgemäßes Teilchen- bzw. Atommodell
Verstehen des Ordnungsprinzips der Elemente
Kennenlernen der chemischen Symbol- und Formelsprache
Erkennen der chemischen Bindung als Ursache für die Vielfalt der Stoffe
Erwerb von Basiswissens über die Strukturen ausgewählter anorganischer und
organischer Stoffe und einfachster Struktur - Wirkungsbeziehungen

Grundmuster chemischer Reaktionen

Qualitative Erfassung des Zusammenhanges zwischen der stofflichen und energetischen Veränderung,
die durch die Zerlegung und Neubildung von Bindungen bedingt wird
Verstehen der Kopplung von Oxidation und Reduktion anhand einfacher Beispiele aus den Bereichen
Verbrennung, Stoffwechsel, Zersetzungen, Elektrolyse, Energiequellen und Korrosion
Alltagsbezogenes Erkennen der Bedeutung saurer und basischer Lösungen
Einsicht gewinnen in wichtige Eigenschaften und Reaktionen von Säuren, Basen und Salzen
Erkennen der Bedeutung wirtschaftlich wichtiger Säuren, Basen und Salze sowie ihrer Gewinnung und Anwendung

Anorganische Rohstoffquellen und ihre verantwortungsbewusste Nutzung

Erkennen von Luft, Wasser und Boden als Rohstoffquelle einerseits und schützenswerte
Lebensgrundlage andererseits
Wissen um die Bedeutung, Gewinnung und Verarbeitung wichtiger anorganischer Rohstoffe
Wissen um den Stellenwert von Altstoffen und deren Entsorgung oder Wiederverwertung.
Einsicht gewinnen in die wirtschaftliche Bedeutung der chemischen Industrie
Prinzipielles Verstehen von Umweltproblemen als Störung natürlicher Systeme
Erkennen der Bedeutung chemischer Methoden bei der Minimierung von Schadstoffen.
Erwerb von chemischen Grundkenntnissen in praxisrelevanten Gebieten wie
Wohnen, Verkehr und neue Technologien

4. Klasse

Kernbereich

Grundmuster organischer Reaktionen

Erfassen der Sonderstellung des Kohlenstoffs in der organischen Chemie und den daraus resultierenden Eigenschaften und Reaktionsweisen organischer Verbindungen.
Verständnis erlangen für typische Eigenschaften der wichtigsten funktionellen Gruppen

Fossile Rohstoffquellen und ihre verantwortungsbewusste Nutzung

Wissen um die Bedeutung, Gewinnung und Verarbeitung fossiler Rohstoffe.
Beurteilen der Unterschiede von fossilen und nachwachsenden Rohstoffen.
Verständnis erlangen für die Besonderheiten von Makromolekülen und den daraus resultierenden makroskopischen Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten.
Erwerb von organisch-chemischen Grundkenntnissen in praxisrelevanten Gebieten wie Kleidung, Wohnen, Energieversorgung, Verkehr und neue Technologien.

Grundlagen der Ernährung

Einsicht gewinnen in die für die Lebensvorgänge wichtigen Stoffklassen und Reaktionen.
Erkennen der besonderen Bedeutung organischer Sauerstoff- und Stickstoffverbindungen wie Alkohole, Carbonsäuren und Aminosäuren füf Ernährung und Stoffwechsel.
Herausarbeitung der Unterschiede zwischen Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen sowie der Bedeutung von Mineralstoffen und Vitaminen.
Kennenlernen der Schritte für die Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln.
Beurteilung des Einsatzes von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln beziehungsweise des biologischen Landbaus, sowie der Verwendung gentechnisch veränderter Rohstoffe unter Berücksichtigung des Welternährungsproblems.
Beurteilung der Problematik der Frischhaltung, Konservierung und Schönung von Lebensmitteln unter Berücksichtigung österreichischer Gesetze und der EU-Richtlinien

Reinigung, Hygiene und Gesundheitserziehung

Verstehen der Zusammensetzung und Wirkungsweise von Wasch-, Reinigungs- und Putzmitteln sowie Hinführen zu verantwortungsbewußter Anwendung.
Erziehung zu gesundheitsbewußtem Ernährungs- und Hygieneverhalten
Kritische Beurteilung des Einsatzes von Körperpflegemitteln und Kosmetika
Erste Hinführung zur Entscheidungsfähigkeit betreffend Genußmittel,
Medikamente und Drogen
Altersgemäße Schulung der Einschätzung von Stoffen in Hinblick auf deren
Gefährlichkeit und Erlernen des verantwortungsvollen und sicheren Umgangs mit (Haushalts-) Chemikalien

Erweiterungsbereich

Die Inhalte des Erweiterungsbereichs werden unter Berücksichtigung der Bildungs- und Lehraufgabe sowie der Didaktischen Grundsätze an der Schule festgelegt (siehe Kapitel "Kern- und Erweiterungsbereich" der Allgemeinen Bestimmungen des Lehrplans)..


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