Von Knallteufeln und Knatterfontänen

Experimente mit pyrotechnischem Spielzeug (Teil I)

Viktor Obendrauf

1. Ganzjahresfeuerwerke, Silvesterfeuerwerke, Profi-Feuerwerke

Die Erzeuger pyrotechnischer Artikel können sich derzeit über mangelnde Aufträge nicht beklagen. Anlässlich des runden Jahreswechsels sind Rekordumsätze vorprogrammiert. Dabei muss man zwischen vier verschiedenen Kategorien von Feuerwerkskörpern unterscheiden. Während pyrotechnische Artikel der Klasse I als pyrotechnisches Spielzeug und Scherzartikel ganzjährig auch von Kindern erworben werden kann, dürfen Klasse II-Produkte normalerweise nur zu Silvester und nur von Personen über 18 Jahren gezündet werden. Klasse III- und IV-Produkte werden im Rahmen von Groß-Feuerwerken nur von Profis arrangiert und zur Reaktion gebracht.

Nachdem man am gesamten deutschsprachigen Markt überwiegend Produkte antrifft, die auch in Deutschland von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) geprüft wurden und ein BAM-Zulassungszeichen erhalten haben, sind die vier verschiedenen pyrotechnischen Klassen (BAM-P I bis BAM-P IV) meist auch an diesem Prüfzeichen erkennbar. Produkte ohne jedes Prüfzeichen auf der Verpackung oder dem Artikel direkt stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus illegalen Importen. Bei der Zündung solcher Produkte gibt es mitunter unliebsame Überraschungen. Nicht selten läßt der gewünschte Effekt auf sich warten oder der Feuerwerkskörper geht zu früh los. Die Einteilung der pyrotechnischen Artikel in vier Klassen orientiert sich im wesentlichen an der Menge der verwendeten pyrotechnischen Substanzen pro Artikel. Insbesonders in der Pyrotechnik gelten die bekannten Gesetzmäßigkeiten für chemische Reaktionen mit hohem Energieumsatz: Twice the weight is four times the hazard. Wenn die Mengen entsprechend gering gehalten werden, sind auch potentiell sehr gefährliche chemische Reaktionen offensichtlich sogar spielerisch beherrschbar (siehe pyrotechnisches Spielzeug). Allein aus diesem Grund kann es eigentlich aus Gründen der Sicherheit bei Schulversuchen keine generellen Positiv- oder Negativ-Listen geben, die sich nur an den kombinierten Stoffen selbst und nicht an den vorgesehenen Mengen orientieren.