Von Knallteufeln und Knatterfontänen

Experimente mit pyrotechnischem Spielzeug (Teil I)

Viktor Obendrauf

6. Beschleuniger und Bremsen

Das jeweilige Timing für die Reaktion zwischen den pulverförmigen Brennstoffen und Oxidationsmitteln wird mit Katalysatoren und Inhibitoren eingestellt. Katalysatoren setzen meist signifikant die Zersetzungstemperatur des Oxidationsmittels herab. Vor allem bei chlorat- und perchlorathältigen Mischungen sind Spuren von Cr2O3, MnO2, Fe2O3 , CuO und anderen Metalloxiden von essentieller Bedeutung. Umgekehrt sind nicht einkalkulierte katalytischen Effekte mit reduzierter Zersetzungstemperatur schon vielen Hobby-Feuerwerks-Bastlern zum Verhängnis geworden, die unsachgemäß mit dem (im Vergleich zum Perchlorat instabileren) Chlorat gearbeitet haben. Auf der "sicheren Seite" ist man bei derartig instabilen Substanzen nur dann, wenn man aufgrund der getroffenen Maßnahmen weiß, dass selbst bei Eintritt des "worst-case-szenarios" kein Schaden entstehen kann, weil zB. gemäß der "Microscale-Philosophie" die Substanzmengen entsprechend niedrig dosiert sind.

Als Inhibitoren werden in pyrotechnischen Mischungen häufig Substanzen verwendet, die selbst nicht brennen und so die Pulvermischung nur verdünnen. Solche Inertstoffe sind anorganische Salze wie Carbonate und Sulfate. Auch organische Stoffe wie Stärke, Cellulose, Zucker oder die bereits genannten natürlichen Harze können als "Bremser" beim Abbrand von Pulvermischungen dienen, weil deren Umsatz auf vergleichsweise niedrigem Temperaturniveau abläuft. Gleichzeitig erfüllen diese organischen Stoffe noch oft die Funktion eines Bindemittels.