Von Knallteufeln und KnatterfontänenExperimente mit pyrotechnischem Spielzeug (Teil I)Viktor Obendrauf10. Pyrotechnisches Spielzeug im SchullaborQualitative Bestimmung von Silber als Reaktionsprodukt von KnallerbsenKnallerbsen bestehen aus mineralischen, in feines Papier gewickelten kleinen Körnchen, an denen oberflächlich sehr kleine Mengen an reibungs- bzw. stoßempfindlichem Silberfulminat (maximal 2,5 mg AgCNO pro Knallerbse) haften. Wirft man eine Knallerbse zu Boden so reagiert das Silberfulminat mit einem harmlosen Knall etwa nach folgender Gleichung: 2 AgCNO -> 2 CO + Ag + N2 Die Papierumhüllung wird bei der Umsetzung am Boden meist aufgerissen, sodass die Körnchen verstreut werden. Sowohl die Körnchen als auch das Papier werden durch das gebildete elementare Silber geschwärzt. Material: Knallerbsen (z.B. Knallteufel, Fa. WECO), Reagenzglas, Salpetersäure conc. in Tropffläschchen, Salzsäure (c = 10%) in Tropffläschchen, Ammoniaklösung (c=25%), dest. Wasser, 2-ml-Spritze, Lupe Versuchsdurchführung: Der Stempel einer 2ml-Spritze wird entfernt und - nachdem eine Knallerbse vorsichtig in die Spritze gestopft wurde - wieder in die Spritze eingesetzt. Nun klopft man mit der geschlossenen Spritze so lange kräftig auf einen Tischrand, bis die Knallerbse in der Spritze reagiert (erkennbar an der Schwärzung des Papiers). Die nun ebenfalls geschwärzten Körnchen werden in ein Reagenzglas befördert und mit einigen Tropfen konz. Salpetersäure beträufelt. Die oberflächliche Schwarzfärbung verschwindet sofort. Nach dem Verdünnen mit etwas dest. Wasser fügt man etwas 10%ige Salzsäure zu. Es entsteht die charakteristische Trübung von Silberchlorid, die sich in konz. Ammoniaklösung wieder auflöst. Anmerkung: Mittels Stereolupe und aufgesetzter Flexcam kann der beschriebene Nachweis auch in einem vertieften Objektträger so durchgeführt werden, dass die Reaktionen an wenigen Körnchen selbst in einem Hörsaal gut beobachtbar sind.Quantitative Bestimmung des umsetzbaren Silberfulminats in KnallerbsenDas bei der Reaktion von Silberfulminat gebildete Silber aus 5 Knallerbsen wird möglichst quantitativ gelöst und kondukometrisch bestimmt. Aus der so ermittelten Menge Silber wird auf die umgesetzte Menge an Silberfulminat geschlossen (Maximal zulässige Menge pro Knallerbse: 2,5 mg). Material: Siehe Versuch 1, zusätzlich: Schere, 250 ml Becherglas, Magnetrührer und Rührfisch, Messwerterfassungssystem CHEMBOX mit Software CHEMEX, Tropfenzähler mit aufgesetzter Spritze mit Venenkathederhahn, Leitfähigkeitssensor, Computer , Natriumchlorid-Lösung (c = 0,01 Mol/l)
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Versuchsdurchführung:
5 Knallerbsen (Knallteufel, Fa. WECO), werden in eine 2ml-Spritze eingeschlossen. Nachdem die Knallerbsen mit dem Spritzenstempel vorsichtig etwas zusammengedrückt wurden, klopft man mit der geschlossenen Spritze solange sehr kräftig auf eine Tischkante, bis keine weitere Schwärzung der Knallerbsen in der Spritze mehr beobachtbar ist.
Nach Entfernen des Spritzenstempels wird die Spritze mit einer großen Schere etwas beschnitten (gekürzt), so dass die Spritze samt Inhalt in ein Reagenzglas passt. Nun träufelt man mittels Tropfer 2 bis 3 ml conc. Salpetersäure auf die geschwärzten Knallerbsen und schüttelt, bis sichergestellt ist, dass alles Silber gelöst wurde. Darauf wird der ganze Inhalt des Reagenzglases mit dest. Wasser quantitativ in ein 250ml-Becherglas gespült. Das Gemisch wird mit dest. Wasser auf etwa 150 ml Gesamtvolumen verdünnt, damit die Leitwertsonde ausreichend eingetaucht werden kann.
Nach dem Füllen der Titrationsspritze (ev. der Bürette) mit der NaCl-Lösung (c = 0,01 Mol/l) und Eichen des Tropfenzählers wird die konduktometrische Titration gestartet.
![]() Anmerkung: Nach einer europäischen Normvorschrift wird die Menge an Silberfulminat nach aufwendiger Extraktion aus 50 Knallerbsen, nach Fällung und Trocknung gravimetrisch (!) bestimmt. Untersuchung des Treibsatzes einer BabyraketeBabyraketen (Klasse I, ohne BAM-Zeichen; in Deutschland nicht im Handel) sind winzige Raketen; sie haben aber bis auf eine Effektladung alle Attribute einer Feuerwerksrakete: eine Papphülse mit unbrennbarer Düse, Lunte, Leitstab. Gefüllt ist die Minirakete jedoch nur mit etwa 0,3 Gramm einer Schwarzpulvermischung als Treibsatz, dass man die Rakete sogar in einem größeren Raum zünden kann, wenn die Papphülse z. B. mit einem Gewebe-Klebeband an den Spritzenkörper einer 2 ml-Spritze gut befestigt wird. Die Spritze (ohne Stempel) dient als leicht bewegliche und sichere Führung entlang eines dünnen Metalldrahtes, der schräg so im Raum gespannt ist, dass Spritze und Rakete freie "Fahrt" nach vorne hat und auch immer ausreichend Platz für die austretenden Verbrennungsgase und Feststoffteilchen bzw. (glühenden) Kohlenstoffpartikel bleibt.Extraktion und Nachweis von Kaliumnitrat:Material:Babyrakete (zB. WECO Baby Bottle Rocket Nr. 2700), Sägemesser, Petrischale, Lupe, dest. Wasser, Reagenzglas, Reagenzglashalter, Reagenzglasgestell, 50 ml-Becherglas, Faltenfilter, Trichter, Spatel, Brenner, Pt-Draht oder Magnesiastäbchen, Nitratteststäbchen
Durchführung:
Anmerkung: Nachweis von SchwefelMaterial:Wie oben , zusätzlich: Fön, kleines Reagenzglas (Schott Duran 8x70 mm), Wäscheklammer aus Holz als Reagenzglashalter
Durchführung: Quantitative Bestimmung des Nitratanteils im Treibsatz einer BabyraketeMaterial:Wie oben, zusätzlich: zwei 100ml-Maßkolben, ein 50 ml Becherglas, Spritzenfilter, Waage (mind. 0,01g Genauigkeit), 10 ml-Spritze oder 10ml-Pipette, Reflektoquant-Teststäbchen Merck Nr. 16995 für Nitat, RQ-Flex
Durchführung:
![]() Exakt 10 ml des Filtrats werden in den zweiten 100ml-Maßkolben überführt und mit dest. Wasser auf 100 ml aufgefüllt. Aus dieser Lösung wird der Nitratanteil mittels Merck-RQflex und Reflektoquant-Teststäbchen (Nr. 16995) am einfachsten reflektometrisch bestimmt.
Ein typisches Berechnungsbeispiel:
Anmerkung: Die teuren, aber sehr komfortablen Spritzenfilter (siehe Abbildung) sind für schulische Zwecke immer wieder verwendbar, weil man durch "Rückspülen" mit dest. Wasser den zurückgehaltenen Niederschlag größtenteils rasch wieder von der Spritzenfiltermembrane entfernen kann. Abschätzung des Gasanteils beim Abbrand einer Baby-RaketeBeim Abbrennen von Schwarzpulver entstehen ca. 44 % an Gasen. Demnach sollen aus 100 g Schwarzpulver neben Spuren von anderen Gasen 26,3 g CO2, 11,2 g N2, 4,2 g CO, 1,1 g H2S gebildet werden [4]. Unter Berücksichtigung der Molmassen der genannten Gase sind dies ca. 0,6 Mol CO2, 0,4 Mol N2, 0,15 Mol CO und 0,03 Mol H2S. Zusammen ergeben sich also ca. 1,18 Mol Gasteilchen, die bei 25°C gemäß der allgemeinen Gasgleichung ein Volumen von 29 Liter beanspruchen. Aus dem Treibsatz einer Babyrakete (ca. 0,35 g) müssten somit ca. 100 ml an Gasen (berechnet bei Raumtemperatur) entstehen. Dies läßt sich grob überprüfen, wenn eine Apparatur gebaut wird, in der eine Babyrakete im geschlossenen Raum gefahrlos abgebrannt werden kann.
Material:
![]() Durchführung: Die Apparatur wird gemäß der Abbildung zusammengebaut. Der Schrumpfschlauch muß nach dem Aufschrumpfen (durch Erwärmen mit einem Heißluftgebläse oder vorsichtig über der Bunsenflamme) eine gasdichte Verbindung zwischen dem Kulturröhrchen mit Gewinde und dem Cu-Rohr bilden. Das T-Stück muss gasdicht auf der anderen Seite des Cu-Rohres aufschiebbar sein. Das T-Stück wird mit Putzstahldraht gefüllt, um den Luftballon vor den glühenden Partikeln des Abbrandes zu schützen. Der Luftballon wird mit mehreren Gummiringen auf der Olive des T-Stückes gesichert. Das Cu-Rohr mit dem angeschlossenen Kulturröhrchen wird waagrecht gehalten, dass eine Baby-Rakete mit dem Leitstab nach oben in die Rohröffnung geschoben werden kann. Die Lunte muss noch etwas sichtbar sein. Nach dem Entzünden der Lunte verschließt man die Apparatur sofort mit dem T-Stück und neigt das Rohr, dass die Rakete durch das Cu-Rohr ganz ins Kulturröhrchen rutscht, solange nur die Lunte brennt. Beim Abbrennen des Treibsatzes wird der schlaffe Luftballon schlagartig etwas aufgeblasen, wenn die Apparatur geschlossen ist. Zum Abmessen dieser Gasmenge wird nach dem Abkühlen der Apparatur so viel an Gas in die Spritze gesaugt, bis der Ballon wieder schlaff ist. Der Abbrand einer Rakete führt tatsächlich zu etwa 100 ml Gas.
Anmerkung:
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