Kein Pech mit dem Schwefel

Low-Cost-versuche mit SO2 und H2S

Viktor Obendrauf
"...Da ließ der Herr Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorrha..."(Genesis, 19, 24). Weiter heißt es im 1. Buch Mose, daß Lots Frau "zu einer Salzsäule erstarrt" sei und Abraham anstelle der sündigen Städte nur mehr "einen Qualm wie aus einem Schmelzofen" sah. ln den wohl meistzitierten Schriften unserer Kulturgeschichte, die in ihrem Keim bis auf das 13. Jht v. Chr. zurückgehen, finden sich also immer wieder naturwissensc haftliche Vokabel und das Element Schwefel war von Anfang an dabei.
Mit Sicherheit war der gelbe Schwefel den Ägyptern schon im 16. Jht v. Chr. bekannt und begleitete die Menschheitsgeschichte in verschiedensten Bereichen: Vom Gebrauch als Räuchermittel (!) bei religiösen Zeremonien, in den Anfängen der Medizin, als Komponente im Schießpulver und schließlich als Rohstoff für eine breite Palette von Primärchemikalien zur Herstellung von Düngemitteln, Waschmittel, Papier, Gummi, Farben, Pharmazeutika, Insecticiden u.s.w. wobei der Schwefel im Endprodukt meist gar nicht mehr vorkommt [ 1 ].

Von Pech und Schwefel

Angesichts der breit gestreuten Mystifizierung des Schwefels in historischen Werken der Weltliteratur ist es kein Wunder, daß dieses "dämonische" Element heute trotz rauchgasentschwefelter Großfeuerungen bei vielen, eher humanistisch geprägten Nutznießern unserer Industriegesellschaft in bezug auf unsere angeblich monokausal dahinsiechenden Wälder noch immer als plakativer Sündenbock herhalten muß. Pech und Schwefel sind eben für viele der Inbegriff des Anr üchigen, womit dem durchschnittlich gebildeten Umweltaktivisten lästige Differenzierungen zwischen Schwefel und Schwefeldioxid bereits erspart bleiben.
Wenn Schwefelwasserstoff als äußerst toxisches Gas in Kanalisationssystemen immer wieder zu tödlichen Unfällen führt, weil es in höheren Konzentrationen die Geruchsnerven blockiert, findet man in den jeweiligen Zeitungsberichten höchstens so anmutige Fomulierungen wie "Schwefelgase", aber keine zielführenden Informationen, wie man derartigenGefahren begegnen kann. Aufklärungsarbeit zum Thema Schwefel gibt es im Rahmen des Chemieunterrichts jedenfalls genug. E xperimente zum Thema Schwefel und Schwefelverbindungen nehmen in diversen Experimentierbüchern ebenfalls breiten Raum ein. Über den Alltagsbezug einiger dieser Standard-Reaktionen läßt sich allerdings streiten.

Keine Chemie der Chemikalien

Dcshalb sollen in diesem Beitrag nur einige ausgewählte Modell-Versuche mit gasförmigen Schwefelverbindungen beschrieben werden, mit denen unter Ausnützung bestimmter (in dieser Zeitschrift bereits mehrfach beschriebener ) Low-Cost-Techniken auch komplexere und praxisrelevante Prozesse ansatzweise nachgestellt werden können [ 2, 3, 4]
Reaktionen mit dem technisch bedeutsamen Schwefelwasserstoff zum Beispiel werden von der Kollegenschaft aus verständlichen Gründen gemiedcn, obwohl Sulfid-Fällungen niht nur zum Repertoire der Chemieolympioniken gehören sollten. Modellversuche zu so praxisbezogenen Reaktionen wie die Schwefesäureerzeugung, Rauchgasentschwefelung, oder die Gewinnung von Schwefel nach dem Claus-Verfahren sind in vielen Experimentier-Büchern meist so aufwendig skizziert, daß man sich aus z eitlichen Gründen mit der theoretischen Beschreibung dieser Prozesse begnügt.
Ausgehend von diesen Überlegungen wird in diesem Beitrag versucht, die positiven Erfahrungen, die beim Hantieren mit Gasen in Einwegspritzen gesammelt werden konnten, auf die Gase Schwefelwasserstoff (Hydrogensulfid) bzw. Schwefeldioxid zu erweitern um die angesprochenen großtechnischen Reaktionen einfach durchführen zu können.

Versuchsbeschreibungen:

1. Darstellung von Schwefeldioxid, Bildung und Verwendung von schwefeliger Säure

Material und Chemikalien:
a) Gewinnung und Nachweis von Schwefeldioxid
Minigasentwickler 1: Reagenzglas (z. B Fiolax 16/160) mit einem Weichgummi-Stopfen (grau) 18D, 2 Kanülen 1,2/40 mm, 1 Kanüle 0,9/120 mm, mehrere 20-ml Spritzen (z. B. HSW Softject mit Gummidichtung), 1 2-ml-Spritze (ohne Gummidichtung), 1 AktivkohleAdsorptionsröhrchen (10-ml-Spritze ohne Kolben, gefüllt mit Aktivkohle, 2,5mm gekörnt, verschlossen mit Gummistopfen 18D inkl. Kanüle 1,2/40 mm), Spatellöffel, Brenner,Reagenzglas, Reagenzglasgestell, Siliconöl (für Heizbäder, z. B. Merck 7742), HCl (w=10%), vorrätig in 100 ml-Steilbrustflasche, Na2SO3 (s), SO2-Reagenz für die Weinanalytik (Iodlösung 0,005 Mol/l mit etwas 1%iger Stärkelösung), Indikator-Lösung (Methylrot o.ä.), NAOH (w = 10%)

b)SO2 als Konservierungsmittel
2 Reagenzgläscr, Reagenzglasgestell, 2 Stopfen (18D mit 1 Kanüle 1,2/40 mm), 2 20-ml-Spritzen (mit Gummidichtung, mit Silicon-Öl geschmiert), Rosinen, Hefe, lauwarmes Leitungswasser. SO2 in Spritze

Durchführung:

a) Gewinnung von Schwefeldioxid
Die zwei Kanülen werden etwas angefeuchtet und senkrecht (Abb. 1) ganz durch den Gummistopfen gesteckt. Um die Nadelspitzen zu entschärfen, wird das abgeschrägte Ende mit einem Seitenschneider gekappt, ohne die Öffnung der Kanülen zu quetschen. Im Reagenzglas werden nun 2 Spatellöffel Natriumsulfit vorgelegt und der Gummistopfen auf das Reagenzglas aufgesetzt. Die 2-ml-Spritze enthält ml HCl (w = 10%), die zuvor (ohnc Nadel) aus einem kleinen Vorratsgefäß ( z. B. 100ml Steilbrustflasche) aufgesaugt wurde. Außen anhaftende Säure wird unter fließendem Wasser abgespült. Tropfenweises (!) Zusetzen der Säure aus der 2-ml-Spritze führt zur Bildung von Schwefeldioxid, das sich in der mit Siliconöl geölten 20-ml-Spritze sammeln kann. Reaktionsschema

Na2SO3 + 2 HCl ---> 2 Na- + „H2SO3" ->H2O + SO2

Die ganze Apparatur wird während des Zutropfens in der Hand gehallen, um einen etwaigen Überdruck abfangn zu können. Wenn sich die 20-ml-Spritze mit Gas gefüllt hat, wird sie von der Kanüle genommen und durch eine leere 20-ml Spritze oder durch eine Aktivkohle-Adsorptionsröhrchen ersetzt. Leichtes Erhitzen des Reaktionsgemisches erhöht die Ausbeute an Schwefeldioxid.
Auf diese Art können gleich mehrere bereitgelegte Spritzen mit reinem Schwefeldioxid gefüllt werden. Die erste, noch lufthältige Fraktion kann durch Einleiten in Natronlauge (lange Kanüle!) entsorgt werden.

b) Bildung, Nachweis und Verwendung von Schwefliger Säure:
Zur Bildung und zum Nachweis von Schwefliger Säure versieht man einm mit Schwefeldioxid gefüllte 20 ml Spritze mit einer langen Nadel (0,8/120 mm) und leitet das Gas wie abgebildet in ein Reagenzglas mit indikatorgefärbten Wasser bzw. in "SO2-Reagenz" (stärkehältige Iodlösung), wie es für weinanaytische Bestimmungen (Praxisbezug!) verwendet wird [ 5 ]. Zur zweifelsfreien Prüfung der sauren Reaktion von reinem Schwefeldioxid kan man zur Gasentwicklung anstelle der S alzsäure 10%ige Schwefelsäure verwenden.
Zum Nachweis der konservieren Wirkung von SO2 bzw. schwefeliger Säure füllt man in zwei-Reagenzgläser zerdrückte Rosinen und etwas lauwarmes Wasser mit suspendierter Hefe. In ein Reagenzglas wird nun aus der Spritze Schwefeldioxid eingeleitet. Beide Reagenzgläser werden mit einem Stopfen (18D) inkl. Kanüle mit aufgesetzter (geölter) 20-ml-Spritze verschlossen. Nach wenigen Minuten setzt im nicht konservierten Reaktionsgemisch die Alkoholische Gärung ein.Das gebildete Kohlendioxid sannelt sich in der 20-ml-Spritze und kann nach einiger Zeit durch Einleiten in klares Kalkwasser nachgewiesen werden. Im SO2-hältigen Reagenzglas ist keine Gasentwicklung zu beobachten.

c) Entsorgung:
Nicht mehr benötigte Salzsäure wird im Vorratsfläschen gesammelt und weiterverwendet. Die geringe Menge an Natriumsulfit, gemischt mit gebildetem Natriumsulfat wird mit viel Wasser weggespült .Vor dem Zerlegen des Gasenwicklers kann das darin befindliche SO2 durch Zusatz von etwas Natronlauge (w = 10%) durch die Kanüle gebunden werden. Der Gasentwickler wird zerlegt und mit Wasser gut gewaschen, die Nadeln werdn im Gummi belassen, jedoch mit Wasser gut durchgespült und durch Durchsaugen von Luft getrocknet. Die Gummidichtung und der Zylinder der 20-ml-Spritze wird mit Silikonöl geölt. So bleibt die ,,Apparatur", deren Ans chaffung weniger als 25.- Schilling kostet, monatelang funktionstüchtig.

Sicherheitshinweise:
Schwefeldioxid ist ein farbloses, stechend riechendes Gas, 2,3 mal schwerer als Luft und sehr giftig (MAK-Wert 5 mg/m3 = ca. 2ml/m3). Eine Mischung von 0,04% in der Luft (4 m1 SO2/10 Liter Luft!) kann noch Vergiftungserscheinungen (Hornhauttrübung, Atemnot, Entzündungen der Atemwege) hervorrufen. Das Einatmen von SO2 muß somit auf jeden Fall vermieden werden. Im Gasentwickler nachentwickeltes SO2 wird am besten durch ein auf die Kanüle aufgesetztes Aktivkohle-Röhrchen vernichtet. Überschüssiges SO2 in der Spritze vernichtet man einfach durch Einleiten (lange Kanüle!) in Natronlauge (w = 10%)

2. Darstellung von SO3 und H2SO4

Material und Chemikalien

2 20-ml Spritze gefüllt mit je 12 ml SO2 (siehe Versuch 1) 1 lange Kanüle (0,8/120 mm).
Low Cost Gasentwickler für Sauerstoff: Material siehe Gasententwickler für SO2, dazu: 5 Braunstein-Tabletten (aktives Braunsteinpulver mit Zement im Massenverhältrns 2:1 mit Wasser angeteigt und in leeren Tablettenverpackungen verfestigt) , Wasserstoffperoxid-Lösung (w=10%);
1 Reagenzglas 16/160 , Brenner, Reagenzglashalter, Reagenzglasgestell, Indikator-Lösung (Methylrot o.ä.), Ba Cl2-Lösung, Salpetersäure

Durchführung (Abb. 2):

Durch Auftropfen von H202-Lösung auf selbst fabrizierte Braunstein-Katalysator Tabletten (s. o.) wird im Low Cost Gasentwickler Sauerstoft erzeugt. Die erste (lufthältige) Fraktion wird verworfen, bzw. zum Nachweis von Sauerstoff verwendet. Wenn sichergestellt ist, daß reiner Sauerstoff aus der Kanüle des Gasentwicklers entweicht, setzt man die mit 12 ml Schwefeldioxid gefüllte Spritze (siehe Versuch 1) auf den Sauerstoff-Entwickler auf und dosiert gemäß der beabsichtigten Reaktion

SO2 + 1/2 02 -- > SO3

6 ml Sauerstoff zum Schwefeldioxid dazu.
Die Spritze mit dem Gasgemisch wird mit der 12 cm langen Kanüle versehen. Man hält die Spritze nun so, daß die Öffnung der Kanüle etwas in ein schräg gehaltenes Reagenzglas ragt. Nun wird die Kanüle in der Mitte mit dem Brenner kräftig bis zur Rotglut erhitzt und das Gasgemisch ganz langsam (!) durch die glühende Kanüle gedrückt. Im Reagenzglas sammeln sich schwere, weiße Nebel von SO3 die nun durch kräftiges Schütteln in wenig Wasse r absorbiert werden. Zur Erhöhung der Ausbeute empfiehlt es sich, im Reagenzglas nochmals so SO3 zu sammeln und nochmals zu absorbieren. Längeres Schütteln ist angebracht, weil SO3 im Wasser schlecht löslich ist.
Der saure Charakter der Lösung wird mittels Indikatorlösung demonstriert. Die Existenz der Sulfat-Ionen ist nach Ansäuern mit HNO3 durch Bildung einer schwachen, allerdings immer eindeutigen BaS04-Trübung mit BaC12-Lösung nachweisbar.
Hinweise: SO2 und SO3 nicht einatmen! Vernichtung von überschüssigem SO 2 siehe Versuch 1.

3. Modellversuch zur Naßentschwefelung (Gipsbildung durch Rauchgaswäsche)

Material und Chemikalien:

Reagenzglas, Reagenzglasgestell, Reagenzglashalter, Glasstab, Spatellöffel, Brenner
Schwefeldioxid (gesammeit in 20-ml Spritze siehe Versuch 1) Sauerstoff (gesammelt in 20 ml Spritze siehe Versuch 2), lange Kanüle (0,9/120mm)
Low Cost Gasentwickler für CO2 Material siehe Gasentwickler für SO2, dazu noch:: Natriumcarbonat (s) und Salzsäure (w= 10%), "Klares Kalkwasser" ( gesättigte Lösung von Ca(OH)2 , BaC12-Lösung

Drchführung:
Im Gasentwickler für CO2 erzeugt man durch Auftropfen von Salzsäure auf 2 Spatellöffel Natriumcarbonat (Waschsoda) reines Kohlendioxid (erste Fraktion verwerfen!) und sammelt es in einer mit Siliconöl leichtgängig gemachten 20-ml-Spritze. Ein Reagenzglas(16/169) wird mit „Klarem Kalkwasser“ gefüllt. Mittels langer Kanüle wird durch Einleiten von genau 20 ml Kohlenstoffdioxid in das "Klare Kalkwasser" fein verteilter Kalk abgeschieden. Ein Überschuß an Kohlendi oxid ist zu vermeiden.
In diesen fein verteilten Kalk leitet man wiederum langsam (!) mittels langer Kanüle 20 ml reines Schwefeldioxid (Gewinnung siehe Versuch 1). Der Kalkniederschlag löst sich unter Bildung von Ca-Hydrogensulfit und Ca-Sulfit gerade auf (Schütteln!). Ein Überschuß an Schwefeldioxid ist zu vermeiden.
In diese Lösung, die leicht erwärmt wird und nicht sauer sein soll, leitet man wiederum unter Verwendung der langen Kanüle langsam 20 ml reinen Sauerstoff (Gewinnung siehe Versuch 2). Nach kurzem Anreiben mit einem Glasstab kann im Reagenzglas gemaß der Bruttoreaktion:

CaCO3 + SO2 + ½ O2 --> CaSO4 + CO2

eine leichte Trübung von (bekanntlich schwer kristallisierbarem) Gips beobachtet werden, der sich beim Ansäueren mit HNO3 nicht auflöst. Durch Zusatz von BaCl2-Lösung ist die Existenz von weiteren gelösten Sulfat-Ionen nachweisbar (Trübung wird intensiviert).

Hinweise:

Die Oxidationskraft von elementarem Sauerstoff ist im sauren Milieu nicht so stark ausgeprägt, deshalb ist ein Überschuß an SO2 beim Zudosieren zum Kalkniederschlag zu vermeiden.

4. Erzeugung von Schwefelwasserstoff außerhalb des Abzugs

Variante 1:
Material und Chemikalien:
Low Cost-Gasentwickler für H2S Erzeugung: Material siehe SO2-Entwickler, Reagenzglas, beschickt mit ca. 5 g Eisen(II)-sulfid-Stäbchen für H2S-Entwicklung, zerkleinert auf ca. 2 mm Korngröße (Merck Nr. 3956) oder aus Eisen- bzw. Schwefelpulver selbst hergestellt, 2-ml-Spritze gefüllt mit Salzsäure (w=10%), Natronlauge (w=10%), Brenner, mehrere 20-ml Spritzen (HSW-Softject mit Gummidichtung, geschmiert mit Silikonöl) zum Sammeln von Schwefelwasserstoff, Aktivkohle-Adsortionsröhrchen (Bauanleitung siehe Versuch 1)

Durchführung:
Durch langsames Auftropfen der Salzsäure aus der 2-ml-Spritze auf das zerkleinerte Eisen-(II)-sulfid im Reagenzglas wird Schwefelwasserstoff gebildet,der sich in der mit Siliconöl leichtgängig gemachten 20 ml Spritze sammelt.

Reaktionsschema:

FeS + 2 HCl --> Fe+ 2 + H2O + H2S

Erhitzen des Reaktionsgemisches beschleunigt die Reaktion und erhöht die Ausbeute. Auf diese Weise können mehrere 20-ml-Spritzen mit Schwefelwasserstoff gefüllt werden. Nach Beendigung der Reaktion wird der Gasentwickler mit dem Aktivkohle-Adsorptionsröhrchen verschlossen.

Entsorgung:
Vor dem Öffnen des Gasentwicklers wird durch die Kanüle etwas Natronlauge zugesetzt und das darin befindliche Gas durch Schütteln gebunden. Nicht umgesetztes Eisen-(II)-sulfid wird mit Wasser gewaschen und wieder gesammelt. Überschüssige Salzsäure wird wieder in das Vorratsfläschchen (100-ml-Steilbrustflasche) zurückgegeben.

Variante II:
Material und Chemikalien:
Reagenzglas Fiolax 16/160, Weichgummi Stopfen 18D mit Kanüle (1,2/40 mm), mehrere 20-ml-Spritzen (mit Gummidichtung, z. b. HSW Softject, geschmiert mit Siliconöl), Aktivkohle-Adsorptionsröhrchen, Reagenzglashalter, Brenner Sulfidogen ' (Paraffin-Schwefel, Merck Nr. 7996) oder Paraffn-Schwefel selbst hergestellt (Gleiche Raumteile Schwefelblume und Paraffin werden vorsichtig zusammengeschmolzen)

Durchführung:
Im Reagenzglas mit aufgesetztem Stopfen inkl. Känüle und 20-ml Spritze werden 3-5 g Sulfidogen erhitzt. Es bildet sich Schwefelwasserstoffgas, das in mehreren 20-ml-Spritzen für diverse Reaktionen gesammelt wird.

Reaktionsschema:

CnH2n+2 + (n+ 1)S -> (n+ 1) H2S + nC.

Die Gasproduktion kann durch Unterbrechen der Wärmezufuhr einigermaßen gesteuert werden. Überschüssiges H2S-Gas wird durch Aufsetzen eines Aktivkohle-Adsorptionsröhrchens entsorgt. Das Sulfidogen beläßt man für weitere Versuche einfach im Reagenzglas.

Hinweise: H2S hat einen MAK-Wert von 15 mg/m3 (ca. 10 ml/m3) und ist fast so giftig wie die berüchtigte Blausäure (Cyanwasserstoff). In größeren Konzentrationen kann H2S nicht mehr wahrgenommen werden, weil der Geruchssinn blockiert wird. Einige % H2S in der Luft führen in wenigen Sekunden zur Bewußtlosigkeit und zum Tod.

5. Bildung von Sulfidniederschlägen außerhalb des Abzugs

Material und Chemikalien
Schwefelwasserstoff gesammelt in 20ml-Spritzen (siehe Versuch 4) , Saure Cu(II)-Salzlösungen (z. B. aus Gasentwickler zur Stickstoffoxid-Erzeugung), Filterpapier, Reagenzglas, lange Kanüle (0,8/120 mm) , Weichgummistopfen (18D, durchstochen mit 1 langen Kanüle (0.8/120 mm) und 1 kurze Kanüle (1,2/40 mm), Aktivkohle-Adsorptionsröhrchen.

Durchführung:
Variante 1:
Das Filterpapier wird mit der Cu (II)-Salzlösung getränkt. Aus der 20-mlSpritze wird wenig Schwefelwasserstoff direkt auf das feuchte Papier gedüst.

Variante 2 (Abb. 4):
Eine Proberöhre wird mit der zu fällenden Metallsalzlösung gefüllt. Es wird der Gummistopfen mit den 2 Kanülen aufgesetzt. Auf der kurzen Kanüle wird das Aktivkohle-Adsorptionsröhrchen fixiert, durch die lane Kanü leitet man aus einer 20-ml-Spritze Schefelwasserstoffgas.

Hinweise:
Für analytische Fällungsreaktionen darf in die zu untersuchende Lösung keine Metallkanüle eintauchcn. Als Ersatz dafür verwendet man zur Gaseinleitung eine passende, auf eine kurze Kanüle aufgesteckte ca. 10 cm lange PVC Kabelummantelung (z. B. geteiltes, 2poliges Kabel), aus der man die Cu-Litzen ausgezogen hat.

6. Brennbarkeit von Schwefelwasserstoff (Vorversuch zu Nr. 7)

Material und Chemikalien
Schwefelwasserstoff gesammelt in 20-ml-Spritze, lange Kanüle (0,8/120 mm), SO2-Reagenz für die Weinanalytik (siehe Versuch 1), Indikatorpapier, Reagenzglas, Brenner

Durchführung:
Auf die mit Schwefetwasserstoff gefüllte 20 ml-Spritze wird die lange Nadel aufgesetzt. Man drückt das Gas in einem gleichmäßigen Strom aus der Spritze und entzündet es an der Nadelspitze. Nun führt man die Nadelspitze mit dem blauen Flämmchen in ein waagrecht gehaltenes Reagenzglas und sammelt darin das gebildete Schwefeldioxid, bis das Flämmchen verlischt (Abb. 5).

Das Schwefeldioxid wird durch Schütteln in wenig Wasser absorbiert. Die gebildete Schwefelige Säure wird wie unter Versuch 1 beschrieben nachgewiesen.

7. Reaktion von SO2 mit H2S - Bildung von Vulkan-Schwefel ("Pseudo-Claus-Verfahren")

Material und Chemikalien
Schwefelwasserstoff gesammelt in 20-ml-Spritze, Gasentwickler für SO2 (siehe Versuch 1), Aktivkohle-Adsorptionsröhrchen

Durchführung:
Gemäß der Gleichung

2 H2S + SO2 ---> 3S + 2H2O

dosiert man zu 10 ml Schwefelwasserstoff in der 20-ml Spritze aus dem SO2-Gasentwickler genau 5 ml Schwefeldioxid. Sofort scheidet sich in der Spritzenwand gelber Schwefel ab.

Hinweis:
Bei dieser Reaktion wirkt feuchtes SO2 als Oxidationsmittel für Schwefelwasserstoff. Diese Reaktion führt in der Natur zur Bildung von Schwefel, wenn in Vulkangasen freiwerdendes H2S-Gas teilweise zu SO2 verbrennt und dann mit diesem in feuchter Luft reagiert.

Das bei der Entschwefelung von Kohlenwasserstoffen in der Raffinerie gemäß dem Reaktionschema:

S-hältige KW + H2 -> S-arme KW + H2S

anfallende Schwefelwasserstoff-Gas wird großtechnisch (Claus Verfahren) mit SO2 an Al2O3-hältigen Katalysatoren umgesetzt, was sich mit so einfachen Mitteln nicht darstellen läßt [6].

Literatur:
[1] N.Greenwood, A.Earnshaw, Chemie der Elemente, Verlag Chemie, 1990, 841
[2] V.Obendrauf, Chemie & Schule, 1994, 4, 2-6
[3] V.Obendrauf, Chemie & Schule, 1995, 1, 10-14
[4] V.Obendrauf, Chemie & Schule, 1995, 3, 1 - 5
[5] V.Obendrauf, Chemie & Schule, 1992, 3, 5 - 8
[6] F. Bukatsch, W. Glöckner, Experimentelle Schulchemie, Aulis- Deubner 1977, 1, 170
Viktor Obendrauf ist Professor an der Pädagogischen Akademie des Bundes, Hasnerplatz 12, A-8010 Graz
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