Umweltausbildung in Österreich

Die Umweltverschmutzung war bis zum Jahre 1993 für die österreicherInnen die Sorge Nummer eins. Daher sind auch mehrere hundert Seiten Bundesgesetze und Verordnungen in diesem Gebiet entstanden. Etwa 1990 haben einige Institutionen begonnen, Umwelt-Ausbildungen zu errichten. Heute ist das Angebot mengenmäßig ausreichend.

Abfall-Stichtag: 1. Oktober 1995

Betriebe - nicht nur Produktionsbetriebe - mit mehr als 100 Mitarbeitern müssen seit 1. Oktober 1995 zwei Abfallbeauftragte nennen können. Das bringt nun auch Dienstleistungsbetriebe - zum Beispiel große Ingenieurbüros und Landes- oder Bundesdienststellen - in eine neue Lage.

Herausforderung Lebenszyklus-Design

In den letzten 10 Jahren wurden mit CIM-Konzepten das „Fertigungsgerechte Konstruieren“ verwirklicht. Heute sind daher eine Fülle von Produkten vom Handy bis zum Auto, vom PC bis zum Fahrrad - viel kleiner oder bei gleicher Größe billiger und besser.
Die große Herausforderung für die Produzenten ist nun aber das Design für den gesamten Lebenszyklus einer Produktfamilie. Das heißt, daß nicht nur die relativ kurze Verwendung des Produkts, sondern auch die Rohstoffaufbringung, seine Herstellung, Wiederverwertung, Demontage und die irgendwann doch nötige Entsorgung auf einer Deponie oder die thermische Verwertung schon bei der Konstruktion/Planung der Produkts mitberücksichtigt werden müssen, um Wettbewerbsvorteile zu erlangen.
Damit müssen nicht nur einzelne Spezialisten, sondern die Mehrzahl der Mitarbeiter mit den ökologischen Konzepten vertraut sein. Das bringt einen enormen Bedarf an Schulung.

Merkblatt für Abfallbeauftragte

Schon allein wegen des Abfallwirtschaftsgesetzes werden schätzungsweise 10.000 Österreicher neue Aufgaben erhalten, für die es bis vor drei, vier Jahren keine eigene Ausbildung gab. Ein neues Merkblatt des Umweltministeriums nennt zwei Seiten Anforderungen fürr Abfallbeauftragte, die derzeit nur sehr wenige Österreicher oder österreichische Ausbildungsstätten erfüllen dürften.

Viele Wege zur Umwelt-Ausbildung

In Österreich gibt es eine mittlerweile unüberschaubare Anzahl von Kursen und Seminaren , die meist einige Stunden oder Tage dauern sowie mehrsemestrige Lehrgänge, die in der Folge näher betrachtet werden sollen.

Zeitbedarf, Veranstalter und Zielgruppen

Es existieren Tagesformen und Abend-Lehrgänge sowie Lehrgänge mit wechselndem Zeitbedarf in denen Gruppentraining und Phasen individueller Studien nacheinander folgen.
Als Veranstalter der Umwelt-Lehrgänge treten verschiedenste Institutionen auf, wobei hier nur diejenigen mit den meisten Absolventen oder Teilnehmern seit 1992 genannt werden : Universitäten wie die TUs in Graz oder Wien, Berufsbildende Schulen wie die HTL "Rosensteingasse" in Wien, die Niederösterreichische Landes akademie in Krems und die WIFIs der Wirtschaftskammern.
Umweltausbildungen gibt es für Lehrabsolventen und Absolventen von Fachschulen, für 14jährige, Maturanten, Ingenieure, Akademiker und Manager. Nur ein Veranstalter fordert zur Aufnahme keine formalen Abschlüsse, sondern testet Persönlichkeitseigenschaften der möglichen Teilnehmer.

Inhalte

Eine Fülle von modern klingenden Bezeichnungen - von Abfallwirtschaft über Entsorgungstechnik, Ökologie und Recycling bis Umwelttechnik - werden dabei angeboten.
In praktisch allen Kursen werden vier Arten von Wissen und Fertigkeiten vermittelt - je nach Veranstalter und Zielgruppe in verschiedener Intensität:
Umweltrecht wie z. B. das Abfallwirtschaftsgesetz,

Technische Methoden wie die Bestimmung von Schadstoffen in Trinkwasser,

organisatorische Methoden wie Arbeit in und mit Gruppen oder Präsentationstechnik und

wirtschaftliche Methoden, z. B. zur Rechtfertigung von Umweltschutzmaßnahmen.

Umwelt-Ausbildung nach dem Sparpaket?

Abgesehen von den Fachakademien der WIFI's und dem Umweltmanagement Lehrgang in Krems sind alle mehrsemestrigen Ausbildungen bisher "gratis", das heißt, daß die Kosten von etwa S 100.000,- pro Jahr und Teilnehmer der Steuerzahler aufbringt. Dazu haben das Unterrichts- und das Wissenschaftsministerium aber Spar-Ideen. So ist es zum Beispiel nicht unwahrscheinlich, daß der Umwelttechnik-Lehrgang in der "Rosensteingasse" im Herbst 1996 das letzte Mal gratis startet oder die Aufbaustudien auf den TUs kosten pflichtig gestaltet werden.

Jobs

Die meisten Absolventen von mehrsemestrigen Umwelt-Ausbildungen arbeiten schon in diesem Gebiet oder finden in wenigen Monaten einen adaquaten Job (1). Wichtig für Firmen ist, daß die Umsetzung von ökologischen Prinzipien am schnellsten mit Mitarbeitern möglich ist, die schon gut im Unternehmen verankert sind. Daher spielen Lehrgänge für Berufstätige eine besondere Rolle.

Zusammenfassung

Mehrsemestrige Umwelt-Ausbildungen werden meist als Tages- oder Abendlehrgänge für Lehr- und Fachschulabsolventen, für 14jährige, Maturanten, Ingenieure, Akademiker und Manager angeboten (1), (2), (3). Die meisten davon sind noch gratis. Die Höhere Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt,,Rosensteingasse ist jene Institution mit den meisten Teilnehmern und Absolventen bisher.
Eine Broschüre, die über alle mehrsemestrigen Umweltausbildungen in Österreich informiert, kann unter der Wiener Nummer (01) 486 14 89 gratis bezogen werden.

Literatur

(1) Bednar, H. (Herausgeber, noch unveröffentlicht)
Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich des Umweltschutzes in Österreich im europäischen Vergleich, Univ. f. Bodenkultur, Wien, 1994
(2) Anonym: ABC des berufsbildenden Schulwesens, BMUK, Wien 1995
(3) Anonym: Universitäten, Hochschulen, Studium & Beruf, BMWFuK, Wien 1995

Autor:

Dipl.Ing. Konrad Zimmermann
ist Geschäftsführer des Vereins österreichischer Chemieingenieure und Chemotechniker (VÖCHICHT) und lehrt Verfahrens- und Umwelt- technik an der Höheren Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt für chemische Industrie,Rosensteingasse" in 1170 Wien.
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