QIBB – Qualitätsinitiative
Berufsbildung
„Die Menschen
stärken und die Sachen klären“ (Hartmut
von Hentig)
Der Prozess der Schulentwicklung an der HBLW Steyr
Viel Neues kommt zur Zeit ins Schulsystem.
Am deutlichsten in der Öffentlichkeit wahrnehmbar ist
die neue Reife- und Diplomprüfung mit ihren teilzentralisierten
standardisierten Aufgaben. Im Schuljahr 2014/2015 werden
erstmals Schüler/innen ihre Schullaufbahn in dieser
Form erfolgreich beenden.
Die Reife- und Diplomprüfung ist ein wichtiger Meilenstein
in der Bildungslaufbahn junger Menschen. Dennoch: eine humanberufliche
Schule wie die HLW Steyr richtet ihren Fokus darüber
hinaus. Uns geht es um das Führen und Unterstützen
junger Menschen, um sie im Sinne des übergeordneten
Bildungsziels für „active citizenship“
und für „employability“ zu stärken.
Nur wenn Jugendliche als Individuen wahrgenommen werden,
wenn ihren Bedürfnissen gemäß Pädagogik
gelebt wird, lassen sich die Ziele von Allgemein- und fachlicher
Bildung (Wirtschaft, Sprachen, Ausbildungsschwerpunkte)
erreichen. Das neue Schlüsselwort in der Bildungslandschaft
lautet: Kompetenzen.
„Kompetenz ist die Fähigkeit, verschiedene Wissenselemente
zusammenbringen und anwenden zu können; dabei jene
auszuwählen, die angemessen sind, sie zu vernetzen
und zu organisieren, dies mit dem Ziel, eine Problemsituation
effizient zu bewältigen, indem man die Komplexität
der Handlung möglichst minimiert.“ (vgl. Jonnaert
2002, zit. nach Fritz/Staudecker: Bildungsstandards in der
Berufsbildung. Wien 2010).
Die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen
(BMHS) befinden sich im Wandel. Im Schuljahr 2010/2011 beginnt
die Arbeit für eine umfassende Lehrplanreform. Ab 2013/2014
steht kompetenzorientiertes Lehren und Lernen im Zentrum
des Kernprozesses von Schule, dem Unterricht. Bildungsstandards
beabsichtigen, den Schüler/innen zu versichern, welche
Fertigkeiten und Fähigkeiten sie erworben haben. Im
Hintergrund dieser Veränderung steht der Europäische
Qualifikationsrahmen (EQR), der Bildungsabschlüsse
in der EU leichter vergleichbar macht und damit jungen Menschen
ein großes Feld für ihre Erwerbstätigkeit
öffnet.
Das österreichische Schulsystem bietet jungen Menschen
mit dem System der berufsbildenden mittleren und höheren
Schulen innerhalb der EU einen großen Vorteil: Wofür
in anderen Staaten ein Hochschulstudium (zumindest ein „bachelor“-Studium)
notwendig ist, erreichen Schüler/innen in Österreich
mit Abschluss und Qualifikation an einer BMHS.
Durch ein Qualitätsentwicklungssystem – die
„Qualitätsinitiative Berufsbildung“ (kurz:
QIBB) – werden Ziele und Maßnahmen in den Bereichen
„Lehren und Lernen“, „Leitung und Qualitätsmanagement“,
„Wirtschaft und Gesellschaft“ und „Internationales“
gesetzt, durchgeführt und evaluiert. Seit dem Schuljahr
2005/2006 steuert QIBB regelkreisorientiert die Prozesse
der Schulentwicklung am Schulstandort.
Über allem steht eine klare Orientierung: Es sind die
Schüler/innen, die aus Maßnahmen der Qualitätsentwicklung
einen Nutzen ziehen.
In der zurzeit laufenden vierten Phase des QIBB-Regelkreises
(dieser erstreckt sich über die zwei Schuljahre 2010/2011
und 2011/2012) arbeitet die HLW Steyr an den Schwerpunkten:
- Förderung/Individualisierung
mit Fokus auf gelebter Methodenvielfalt im Unterricht
und Beratung über den Lernfortschritt auf Augenhöhe
zwischen Schüler/innen und Lehrer/innen.
- Schuleingangsphase:
das Ankommen in der Sekundarstufe II ist mit vielen Veränderungen
im Schüler/innenleben verbunden. Es gibt neue Mitschüler/innen,
neue Unterrichtsgegenstände, neue Lehrpersonen. Wir
gestalten den Schuleinstieg aktiv mit Konzentration auf
das Lernen/Leben im Schulhaus, Arbeitshaltungen und den
Teambildungsprozess in der Klasse.
- Gutes Schulklima, wertschätzender
Umgang: Gutes Schulklima drückt sich darin
aus, dass in einem Schulhaus alle hier arbeitenden Personengruppen
ein gemeinschaftliches Zusammenleben praktizieren, dass
jede/r Einzelne (Schüler/in und Lehrer/in) Verantwortung
wahrnimmt: für Schule als Lebens- und Lernort, für
Lernen und Lehren. Neben dem Einhalten von Regeln (Hausordnung)
ist uns wertschätzende Kommunikation mit- und übereinander
dafür ein wichtiger Baustein.
Organisatorisch liegt die Steuerung des Qualitätsentwicklungsprozesses
in der Verantwortung des Schulleiters, er wird in diesen
Belangen durch den Schulqualitätsprozessmanager (SQPM)
als Führungsassistenz unterstützt. Die Beratung
von Evaluierungsergebnissen und die Diskussion von Zielen
und Maßnahmen geschehen in der Steuergruppe der Schule
unter Beteiligung von Schüler-Vertreter/innen und Eltern-Vertreter/innen.
Seit dem Schuljahr 2009/2010 führt die HLW Steyr den
Schulversuch „Mittleres Management“ mit neun
Lehrpersonen: dabei geht es um Arbeitsteilung in Führungsaufgaben,
um eine bessere Effizienz in der Schulorganisation zu erreichen.
Peter Klimitsch
SQPM der HLW Steyr
Update: 20.12.2010