Die
biblische Erzählung von der Rückeroberung Jerusalems durch die makkabäischen
Brüder stellt einen der ältesten Berichte eines Clash of Civilizations
(HUNTINGTON, TIBI) dar. Gerade die hier geschilderten Auseinandersetzungen
zwischen den an der Tradition festhaltenden Gläubigen rund um Judas
Maccabäus und der sich immer mehr den hellenistischen
Ideen anpassenden Oberschicht wurden durch die Jahrhunderte bis
heute immer wieder als eine beispielhafte Schilderung zeitgenösssicher
Probleme verstanden. In der Geschichte des Judentums
entwickelte sich daraus ein Freudenfest
über die Wiedereinweihung des Tempels und damit nach der Zerstörung
des Tempels (70 n.Chr.) ein Hoffnungsbild
für eine mögliche Wiedererrichtung. Im heutigen Israel konnte so daraus
ein mitunter auch politisch verstandenes Nationalfest werden.
Die christliche Rezeptionsgeschichte
ist wesentlich geprägt von den Religionsstreitigkeiten der Reformation.
Hier dienten die Motive v.a. der Darstellung des rechten Glaubens,
wie ihn die Makkabäer symbolisierten. So ist es auch nicht verwunderlich,
dass gerade die Gegenreformation
in Judas Maccabäus und seinen Brüdern ein Sinnbild für die katholische
Kirche sah. Die Wandteppiche Carl
Reslfeldts in der Stiftskirche
Garsten sollen den Gläubigen eindrucksvoll unter Beweis
stellen, auf welcher Seite Gott kämpft und was mit jenen geschieht,
welche die andere Seite gewählt haben.
Händels Oratorium
"Judas Maccabäus",
ebenfalls aus dieser Zeit stammend, unterstreicht imposant die Bedeutung
der makkabäischen Geschichte.
Wenngleich die innerchristlichen Auseinandersetzungen um den rechten
Glauben heute anders geführt werden, so zeigten doch die Ereignisse
des 11. Septembers 2001 wie relevant der in den Makkabäerbüchern
geschilderte Kampf der Kulturen auch heute noch ist.
In der fächerübergreifenden Betrachtung dieses Stückes Kultur-
und Geistesgeschichte konnte so der Bogen von der Erzählung der
Makkabäer bis ins beginnende 3. Jahrtausend gespannt werden. An
diesem interessanten Streifzug wollen wir Sie mittels dieser
Internetseiten teilhaben lassen.