
Lessing wurde am 22. Jänner 1729 in Kamenz (Sachsen) geboren. Er war der bedeutendste Vertreter der Aufklärung. Sein Hauptanliegen war Toleranz, Humanität und Vernunft. Lessing zählte zu den Vorklassikern. Sein Vorbilder war William Shakespeare.
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| 1767 | wurde Lessing an das neugegründete Hamburger Nationaltheater als Dramaturg, Berater und Kritiker berufen. Als Frucht dieser Tätigkeit entstand die "Hamburger Dramaturgie". Nach seiner Theatertätigkeit gründete er eine Buchhandlung mit J. C. Bode. |
| 1770 | leitete Lessing die Bibliothek in Wolfenbüttel. |
| 1772 | entstand "Emilia Galotti" |
| 1775 | machte er eine Reise nach Wien. Der österreichische Hof wollte Lessing für das Burgtheater gewinnen. |
| 1776 | heiratete er Eva Köning. |
| 1778 | starb seine Frau jedoch im Kinderbett. Lessing unternahm gemeinsam mit Herzog Leopold von Braunschweig die Italienreise. |
| Theologische Streitschriften gegen den Hauptpastor Goeze war der Grund für die Entstehung "Nathan der Weise". | |
| 1780 | entstand sein letzte Schrift "Die Erziehung des Menschengeschlechts", das die Summe von Lessings Weltanschauung enthält. |
| Am 15. Februar 1781 starb Gotthold Ephraim Lessing in Braunschweig. |
"Nathan der Weise" ist ein Ideendrama von Gotthold Ephraim Lessing. Es handelt sich um ein Versdrama in fünf Akten, und es wurde 1783 in Berlin uraufgeführt. Kern des Stückes ist die Ringparabel. Ort des Geschehens ist die Stadt der Weltreligionen, Jerusalem, zur Zeit der Kreuzzüge: Christentum, Judentum und Islam treffen hier aufeinander.
Nathan, ein reicher Jude, ist gerade von einer längeren Geschäftsreise zurückgekehrt und erfährt, daß Recha, seine Tochter, eben erst durch einen jungen Tempelherrn vor dem Feuertod gerettet worden ist. Recha und ihre Gesellschafterin, die Christin Daja, sehen darin ein Wunder. Denn der Tempelherr, der einem christlichen Ritterorden angehört, war nach einem Gefecht wohl in Gefangenschaft geraten und sollte auf Befehl des Sultans Saladin auch in der üblichen Weise umgebracht werden : Da fühlte sich der Sultan beim Anblick des jungen Mannes plötzlich an seinen toten Bruder Assad erinnert und hob in einem unerwarteten Gnadenakt das Todesurteil auf.
Dem erfahrenen, klug argumentierenden Nathan gelingt, was Recha und Daja bisher mißlungen ist: den widerspenstigen Tempelherrn in ein vorurteilsfreies Gespräch zu ziehen und ihn, als Dank für die mutige Tat, zu einem Besuch bei Recha zu bewegen.
Inzwischen nimmt Nathan die Gelegenheit wahr, die Kraft aufklärerischer Weisheit zu demonstrieren. Der Sultan, der sich gerade in einer finanziell mißlichen Lage befindet, will auf Rat seiner Schwester Sittah die vielgepriesene Freigiebigkeit, vor allem aber die Vernunft des Juden testen und stellt die heikle Frage nach der wahren Religion.
Die Szene, genau in der Mitte des Dramas gelegen, enthält gleichsam modellhaft die Idee aufgeklärter Humanität, um die sich das ganze Drama bewegt.
Nathan verfällt auf den rettenden Einfall, den Sultan mit der "Ringparabel" abzuspeisen.
Der Sultan, der mit wachsendem Erstaunen in dieser Geschichte ein Gleichnis Absolutheitsanspruch irgendeiner Religion in theoretischen Argumentation zu begründen, ist sinnlos: Religion, in welcher Gestalt sie auch immer auftritt, muß sich durch praktische Humanität auszuweisen.
Begeistert trägt der Sultan den weisen Juden seine Freundschaft an. Inzwischen ist der Tempelherr in leidenschaftlicher Liebe zu Recha entbrannt und begehrt sie zur Frau. Nathan, der in dem stürmischen Werber einen nahen Verwandten Rechas vermutet, provoziert durch seine reservierte Haltung dessen Zorn. Angestachelt durch Daja, die ihm verrät, daß Recha keineswegs die leibliche Tochter Nathans, sondern vielmehr ein christlich getauftes Waisenkind ist, sucht der Tempelherr Rat beim Patriarchen von Jerusalem, einem moralisch verdorbenen Vertreter des Christentums. Der will den Juden in eine Intrige verstricken, schickt aber als Spion zufällig einen frommen alten Klosterbruder aus, gerade den, der vor achtzehn Jahren Nathan ein elternloses Kind, eben Recha, anvertraut hat.
Dank einiger Hinweise des Klosterbruders erkennt Nathan jetzt im Tempelherrn Rechas Bruder; für Saladin und Sittah ist es nur ein leichtes, im Tempelherrn zugleich ihren Neffen, den Sohn Assads, ihres Bruders, zu entdecken.
Nathan aber, der an dieser lieben Verwandtschaft nicht teilhat, wird von Rechas und dem Tempelherrn als Vater im Sinn höchster Geistes- und Seelenverwandtschaft anerkannt.
In vielfältigen Umarmung löst sich die lange aufgestaute Spannung.
Anlaß für dieses Stück war ein theologischernich Streit Lessing mit dem Hamburger Hauptpastor Goeze, der sich in seinen Schriften und Predigten als höchst intolerant gegenüber christlichen Religionsbekenntnissen zeigt. Vorbild für die Figur des Nathan war der Philosoph M. Mendelssohn.
Aus dem idealistischen Glauben ist der innere Vorgang des Dramas erbaut: Eine einzige gute Tat Nathans, die zeitlich noch vor Beginn des Dramas liegt, wird im Drama zur Bedingung des guten Endes.
Nathan war einst Zeuge eines Verbrechens, das Christen an Juden verübt hatten. Dieses Verbrechen, dem auch seine Frau und seine sieben Söhne zum Opfer fielen, ist Ausdruck der auf einem Absolutheitsanspruch basierenden Machtpolitik aller Weltreligionen; ihre Inhumanität darf im Drama als Metaphe für die entfremdete Geschichte insgesamt gelten. Auf die Exzesse dieser Entfremdung antwortet Nathan nun nicht mit einem Vergeltungsschlag, wie es zunächst im Affekt leidenschaftlicher Empörung seine Absicht war; vielmehr erfolgt, mitten im Unheil, der dialektische Umschlag, der für Lessings progressives Geschichtsdenken typisch ist:
Nathan meistert seine Leidenschaft durch die Vernunft und nimmt die elternlose, christlich getaufte Recha auf, die er vorbildlich erzieht. Damit hat er zum einen die Vernunft in ihr Herrschaftsrecht eingesetzt, den Absolutheitsanspruch aller Religionen relativiert und zum anderen ihren Wahrheitsgehalt als weltumfassende tatkräftige Solidarität bestimmt.