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Imperialismus und Erster Weltkrieg


1. Geschichtliche Voraussetzungen

Der Begriff "Imperialismus" wird in der Politik- und Geschichtswissenschaft unterschiedlich definiert. Einigkeit besteht jedoch darin, daß mit dem Imperialismus des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts zwei Faktoren wesentlich verknüpft sind:

Der Imperialismus hatte zwei große historische Voraussetzungen:


1.1. Die älteren europäischen Kolonialreiche

Im 15.Jh. beginnt von Portugal aus die Eroberung Afrikas. Zunächst sind es See- und Handelsstützpunkte an der Küste; später aber wird der Kontinent vor allem zum Lieferanten von Sklaven. Mit der Entdeckung und Besiedelung Amerikas durch die spanischen und portugiesischen Eroberer entwickelt sich daraus der sogenannte "atlantische Dreieckshandel": Von Afrika werden Arbeitskräfte (Sklaven) nach Amerika transportiert, von den amerikanischen Plantagen kommt Zucker, Rum, Baumwolle etc. nach Europa; von Europa werden Gewehre, Schnaps, Baumwollprodukte nach Afrika exportiert.

Die zwischen 1500 und 1700 sich entwickelnde Kolonialisierung hatte weitreichende Folgen:

Zerstörung der ursprünglichen Anbaustrukturen (zunächst v.a. in Südamerika) durch Großplantagen (Tabak, Zucker usw.) und damit allmähliche Vernichtung der Ernährungsbasis der einheimischen Bevölkerung. Die Ausplünderung Südamerikas und Afrikas führt zu einer ungeheuren Anhäufung von Reichtum in Europa (v.a. in England als erster Handelsmacht im Europa des 17.Jh.); mit diesen Reichtümern wurde ein Großteil der Investitionen der industriellen Revolution getätigt.

Die durch die Ausplünderung der Kolonien ermöglichte Industrialisierung Europas führt in der Folge zu einer Überschwemmung der Märkte in den Kolonien mit billigen Produkten, wodurch die Wirtschaft dieser Länder wiederum schwer in Mitleidenschaft gezogen wird.


1.2. Die Industrialisierung und ihre Folgen

Die industrielle Revolution, zunächst in England, im letzten Drittel des 19.Jh auch in anderen europäischen Staaten, hat mehrere Auswirkungen:


2. Ursachen und Folgen des 1. Weltkriegs

Mehrere Faktoren sind es, die zum Ersten Weltkrieg führen:

Das Interesse Österreich-Ungarns am Balkan traf sich hier mit den Interessen des Deutschen Reiches, dessen Wirtschaftspolitik sich ebenfalls in diese Richtung ausdehnte (Türkei!). In der südslawischen Nationalbewegung entstand jedoch eine politische Strömung, die eine Loslösung von der Habsburgermonarchie zum Ziel hatte. Serbien und Rußland unterstützten diese Strömung.

Das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajewo (28. Juni 1914) war in dieser Situation nur das auslösende Moment; die bisher politisch, wirtschaftlich und diplomatisch ausgetragenen Konflikte der Großmächte schlugen nun in einen militärischen Konflikt um, die durch die Bündnissysteme vorbereiteten Mechanismen traten in Kraft:

Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg, es folgt die deutsche Kriegserklärung an Rußland und Frankreich, die mit der Kriegserklärung Englands an Deutschland (4. August) beantwortet wird.


2.1. Exkurs: Politischer Unruheherd Balkan

Die Geschichte Südosteuropas ist, entsprechend der geografischen, kulturellen und politischen Vielfalt, sehr kompliziert. Sie war jedoch für Europa immer von großer Bedeutung. Aktuelle Konflikte der Gegenwart wie zum Beispiel in Jugoslawien werden nur aus dieser Geschichte heraus verständlich.

Das Römische Reich faßte Südosteuropa beinahe vollständig zusammen, bei der Trennung des Römischen Reiches zwischen Ostrom und Westrom (395 n. Chr.) ging die Grenze mitten durch Südosteuropa. Im Süden und Osten bildete sich eine überwiegend oströmisch-griechisch-byzantische Kultur heraus, im Norden und Westen eine weströmisch-lateinische.

An die Stelle von Byzanz trat seit dem Spätmittelalter das Osmanische Reich. Die Osmanen unterwarfen erst weite Teile der Balkanhalbinsel Makedonien, Mittel- und Nordgreichenland, bevor sie Konstantinopel (Istanbul) eroberten und schließlich über Serbien (1459), Bosnien, Herzegowina bis nach Ungarn und Österreich (1529) vordrangen. Innerhalb dieses Reiches existierten drei verschiedene große Kulturkreise:

Ein Teil der Balkankonflikte der letzten 200 Jahre erklärt sich auch aus dieser Tatsache. Nach dem Scheitern der zweiten Belagerung Wiens durch die Türken (1683) wurde das Osmanische Reich vom Nordwesten her zurückgedrängt. An die Stelle der durch das Osmanische Reich erzwungenen politischen Einheit trat nun das Vordringen der Habsburgermonarchie auf dem Balkan.

Unter den Einwirkungen der Französischen Revolution lösten sich die Nationalitäten durch Aufstände aus der Vorherrschaft der großen Reiche. Sie wandten sich zunächst gegen das Osmanische Reich und erkämpften sich ihre nationale Unabhängigkeit: Griechenland 1829, Serbien, Montenegro, Rumänien 1878, Bulgarien 1908, Albanien 1913. Anschließend richteten sich die südslawischen Nationalbewegungen gegen Österreich-Ungarn, das Teile des heutigen Jugoslawiens und Rumäniens unterworfen hatte.

Seit dem frühen 19. Jahrhundert war der Balkan das "Pulverfaß Europas". Eine Reihe schwerer Krisen und Kriege nahm von dort seinen Ausgang. Einerseits ging es dabei um Großmachtinteressen zwischen dem Osmanischen Reich, Österreich-Ungarn, Deutschland, Rußland, andererseits aber auch um Konflikte zwischen den jungen Balkanstaaten, vor allem um Makedonien, selbst. So brach der 1. Weltkrieg nicht zufällig am Balkan aus, auch wenn das Attentat auf den österreichischen Thronfolger nur das auslösende Moment war.

Mit der Auflösung Österreich-Ungarns und dem Zerfall des Osmanischen Reiches nach dem ersten Weltkrieg entstand eine Reihe neuer Staaten, die in sich jedoch noch wenig gefestigt waren.

Das nationalsozialistische Deutschland nahm den Drang nach Südosten wieder auf, der größte Teil des Balkans wurde von Deutschland besetzt oder in anderer Form "gefügig gemacht"; die Slawen waren in der nationalsozialistischen Herrenideolgie "Untermenschen" und wurden auch ebenso behandelt. Dagegen entwickelte sich am Balkan eine starke Partisanenbewegung, die in den neuen Staaten nach 1945 eine wichtige Rolle spielte.

Von den Großmächten war es vor allem die Sowjetunion, die sich in Ost- und Südosteuropa nach 1945 die Vorherrschaft sichern konnte. Allerdings war auch die unmittelbare Nachkriegsgeschichte Südosteuropas durch scharfe Trennlienien gekennzeichnet. So gehörten Bulgarien, Rumänien und Ungarn dem Warschauer Pakt an, Griechenland und die Türkei der NATO (wobei zwischen beiden Staaten historisch bedingte Konflikte weiterschwelen), Jugoslawien wurde blockfrei, und Albanien orientierte sich lange Zeit an China.


2.1.1.Das Beispiel Jugoslawien

Das ehemalige Jugoslawien umfaßte Gebiete mit sehr unterschiedlicher Entwicklung und mit vielen nationalen Minderheiten (Albaner im Kosovo, Ungarn in der Voivodina). Hinzu kommen verschiedene Religionen: Griechisch-Orthodoxe im Osten und Süden, Katholiken im Norden und Westen, Muslims vor allem in Bosnien. Teile des ehemlaigen Jugoslawiens gehörten früher zum Osmanischen Reich (Serbien, Makedonien, Bosnien/Herzegowina), Teile zu Österreich-Ungarn (Kroatien, Slowenien, Bosnien/Herzegowina). Daher ist die Vorgeschichte Jugoslawiens sehr kompliziert.

Allgemein läßt sich von einer führenden Rolle Serbiens beim Prozeß der Staatswerdung sprechen. So entstand im 14. Jahrhundert für kurze Zeit ein Großserbisches Reich, das jedoch bald wieder zerfiel und von den Osmanen unterworfen wurde. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich eine starke serbische Unabhängigkeitsbewegung (unterstützt durch Rußland) mit dem Ziel der Vereinigung aller Südslawen in einem Staat. 1882 wurde Serbien Königreich, allerdings als österreichisch-ungarischer Satellitenstaat. 1903 übernahmen national gesinnte Offiziere die Macht. Sie wandten sich gegen die Vorherrschaft Österreichs und zogen sich damit die Feindschaft der Habsburgermonarchie zu.

Im 1. Weltkrieg wurden Serbien und Montenegro von deutschen und österreichisch-ungarischen bzw. bulgarischen Truppen erobert. Nach dem 1. WK bildete sich aus Serbien, Montenegro und den ehemals österreichisch-ungarischen Provinzen (Kroatien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina) das neue Königreich Jugoslawien. Es zeigten sich jedoch bald großserbische Tendenzen, die zu Spannungen zwischen den griechisch-orthodoxen Landesteilen (Serbien, Montenegro, Makedonien) und den lateinisch-katholischen (vor allem Kroatien) führten.

1941 eroberte Deutschland Jugoslawien. Unter deutschen Schutz entstand der Staat Kroatien, der von der faschistischen Ustascha-Bewegung geführt wurde. Gegen die deutsche Eroberung bildete sich eine gutorganisierte Widerstands- und Partisanenbwegung, dere stärkster Flügel die Kommunisten unter dem Kroaten Tito waren.

Nach dem Kriegsende entwickelte sich der jugoslawische Kommunismus zu einer Sonderform (Selbstverwaltung), was zum Bruch mit der Sowjetunion führte. Jugoslawien unter Tito verstand sich als eine sozialistische Föderativ-Republik, in der die einzelnen Teile relativ selbständig sein sollten. Die nationalen Spannungen und die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Norden und Süden konnten jedoch nur mühsam ausgeglichen werden und waren nach Titos Tod mit ein Grund für neue Konflikte in Jugoslawien.


2.2. Verlauf und Folgen des 1. Weltkriegs

Geplant war von der deutschen und österreichischen Heeresführung zunächst eine Art "Blitzkrieg", doch entwickelte er sich bald zu einem Stellungskrieg (vor allem im Westen) mit ungeheuer hohen Menschenverlusten. Der Erste Weltkrieg ist durch einen bis dahin unbekannten Grad an Technisierung gekennzeichnet; Flugzeuge, Flammenwerfer, Kampfgas werden erstmals eingesetzt. Und Kampfhandlungen finden auf fast allen Kontinenten und großen Meeren statt, 1917 treten auch die USA in den Krieg ein und deuten damit ihre Rolle als zukünftige Großmacht erstmals an.

In den meisten europäischen Staaten wird der Kriegsausbruch zunächst von einer großen Massenbegeisterung begleitet, eine unvorstellbare Welle von Patriotismus überrollt die Länder. Die wenigen kritischen Stimmen (zum Beispiel Berta von Suttner) bleiben ungehört. Die in der 2. Internationale zusammengeschlossenen Sozialdemokratischen Parteien, die ursprünglich beschlossen hatten, jedem Krieg erbitterten Widerstand entgegenzusetzen, unterstützten in der Mehrzahl den Krieg.

Erst mit fortwährender Dauer der Kampfhandlungen wandelte sich die Stimmung. In Deutschland und Österreich kam es zu Hungerrevolten und Streiks (ab 1917), in Rußland wurde der Krieg zum auslösenden Moment für die Revolution. Neben Millionen Toten, grenzenloser Zerstörung und Hungersnöten hatte der erste Weltkrieg umwälzende politische Folgen: