ERZBISCHOF OSCAR ROMERO (1917 - 1980)


1917 wird er in einfachen Verhältnissen in El Salvador geboren.

Romero studiert Theologie, wird Priester und später Bischof. Er war immer schon eher kränklich, liebt Bücher und Musik und kümmert sich kaum um politische und soziale Probleme.

Als er 1977 überraschend Erzbischof wird, gilt er als Kompromiß-kanditat: kränklich, konservativ, ohne Durchsetzungsvermögen.

El Salvador ("Land des Erlösers") war damals eine Militärdiktatur mit ca. 5,3 Mill. EW, davon etwa 70% Mestizen, 15 % Indios, 10 % Weiße. Ca. 90% sind Katholiken. Eine kleine, sehr reiche Minderheit (3 % der Bevölkerung) kontrolliert zwei Drittel des Bodens, den Großteil der Industrie, des Handels und der Banken. Die Analphabetenrate beträgt 28 %, auf dem Land nach Schätzungen der Lehrergewerkschaft bis zu 80 %. Auf 10 000 EW kommen 3 Ärzte und 14 Krankenhausbetten.

Die Regierung wird von der rechtsextremen, von den USA massiv unterstützten ARENA-Partei gebildet. Der Großteil des Volkes steht auf Seiten der bewaffneten Befreiungsbewegung FMLN, die für mehr soziale Gerechtigkeit, Demokratie und Unabhängigkeit kämpft.

Kurz nach Romeros Wahl werden auch Priester ermordet (erster Priestermord: R. Grande 1977) und die Kirche immer mehr bedroht (Flugblatt: "Be a patriot, kill a priest!") . Dies bringt ihn zum Nachdenken und löst eine "Bekehrung" bei ihm aus. Plötzlich setzt er sich mutig und engagiert für alle Unterdrückten ein. In seiner Sakristei hängt er Fotos und Lebenslauf aller "Verschwundenen" auf. Als eine Kirche von den Militärs besetzt und geschlossen wird, wehrt er sich dagegen und begibt sich dabei selbst in Lebensgefahr. Als der Landwirtschaftsminister entführt wird, erklärt er sich bereit, zu vermitteln - allerdings vergeblich. Seine Radiopredigten gehören zu den meistgehörten Rundfunk-sendungen im ganzen Land. Kurz vor seinem Tod richtet er noch einen schriftlichen Appell an den damaligen US-Präsidenten Carter, die Waffenlieferungen an El Salvador einzustellen.

Im März 1980 wird Romero während einer Messe ermordet. Bei seinem Begräbnis richtet die Armee ein Massaker vor der Kathedrale an. Seine Mörder blieben bis heute ungestraft.

Im November 1989 kommt es zu einem weiteren spektakuläres Massaker an Priestern: ein Mordkommando, bestehend aus Militärs, erschießt auf dem Campus der Zentralamerikanischen Universität 6 Professoren, alle Jesuiten, sowie 2 Frauen. 2 Jahre werden die Mörder verurteilt.

Nach einem mehr als 10 Jahre dauernden Bürgerkrieg in El Salvador wird 1992 ein Friedensvertrag unterzeichnet.

Meditative Auseinandersetzung mit Aussagen Romeros:


Die folgenden Zitate werden den SchülerInnen auf einem Arbeitsblatt gegeben. Sie sollen sie durchlesen und meditativ übermalen: Aussagen, mit denen sie sich stark identifizieren mit hellen, freundlichen Farben, Aussagen, die sie ablehnen mit dunklen, kalten Farben. Dazu kann man meditative Musik spielen.

Im Namen Gottes und seines von langen Leiden gequälten Volkes, dessen Klagen tagtäglich im Himmel gehört werden, bitte ich, flehe ich, befehle ich: Im Namen Gottes, macht Schluß mit der Unterdrückung! Christen haben keine Angst vor dem Kampf. Sie wissen zu kämpfen, aber sie ziehen die Sprache des Friedens vor.

Wenn jedoch eine Diktatur die Menschenrech-te mit Füßen tritt...wenn sie alle Kanäle zum Dialog, zum Verstehen, zur Vernunft versperrt...dann spricht die Kirche vom legitimen Recht auf Gewalt im Volksauf-stand.

Mich kann man töten, nicht aber die Stimme der Gerechtigkeit. Laßt uns lernen, die politische Sprache zu sprechen und nicht die Sprache der Gewalt.
Wenn sie mich töten, werde ich im Volk von El Salvador wieder auferstehen. Der Gott, zu dem wir uns bekennen, ist kein toter Gott. Er ist ein lebendiger Gott, der den Schmerz von Gefolterten und Sterbenden mitempfindet, der mit uns fühlt, der die Geschichte lenkt.
Die Oligarchie verteidigt ihre egoistischen Interessen nicht mit Vernunftgründen, nicht mit der Unterstützung durch das Volk, sondern mit dem einzigen was sie besitzt: mit dem Geld, das ihr erlaubt, Waffen zu akufen, Söldner zu bezahlen, die das Volk massakrieren und jede berechtigte Äußerung zugunsten der Gerechtigkeit und Freiheit ersticken! Es ist zwecklos, nur sich selbst zu lieben und sich vor den Gefahren des Lebens zu hüten. Die Geschichte stellt den Menschen in diese Gefahren, und wer ihnen ausweichen will, verliert sein Leben. Wer sich dagegen aus Liebe zu Christus in den Dienst der anderen stellt, wird leben.
Wie bösartig muß dieses System sein, das den Armen gegen den Armen stellt, den Campesino in Militäruniform gegen den arbeitenden Campesino!