In einer Ausschusssitzung vom 30. August 1948 wurde vom Gemeinderat der Stadt unter Vorsitz des damaligen Bürgermeisters Anton Zeman die Errichtung einer öffentlichen Hauptschule beschlossen. Der Unterricht begann mit einer Klasse in einem Gebäude der heutigen Tilly Kaserne. 39 Schüler (15 Buben, 24 Mädchen) machten den Anfang. Direktor Siegfried Putz übernahm die Leitung, Klassenlehrer war VSL Josef
Anderle, zwei Fremdsprachenlehrer für Englisch und Russisch bildeten zusammen mit Stadtpfarrer Kittinger und einer Handarbeitslehrerin den ersten Lehrkörper. Besuchten zunächst nur Schüler aus Freistadt und den benachbarten Gemeinden die öffentliche Hauptschule, erweiterte sich das Einzugsgebiet im Laufe der nächsten Jahre derart, dass sogar einzelne Schüler aus Liebenau, Unterweißenbach,... nach Freistadt kamen. Sehr früh war zu erkennen, dass die Räumlichkeiten für die ständig ansteigenden Schülerzahlen zu wenig wurden - man musste nun einen zweiten Teil der Kaserne nutzen und an die Errichtung eines Hauptschulneubaues denken.
Der Initiative des Stadtgemeinderates unter Bürgermeister Notar Gottfried Fosen war es zu verdanken, dass schon im Jahre 1956 die Pläne vorlagen und - gemeinsam mit dem Bau einer Volksschule - auch der Hauptschulneubau 1957 begonnen werden konnte. Am Schulbeginn 1959 übersiedelten acht Klassen mit 270 Schülern in die neuerbaute Schule. Der Lehrkörper hatte sich inzwischen auf 11 Lehrpersonen erweitert. Leider erwies sich schon im darauffolgenden Schuljahr der damalige Neubau als viel zu klein, und der Zeichensaal wurde für eine Klasse "geopfert". Alle übrigen Nebenräume (Physiksaal, Handarbeits- und Musikzimmer) mussten in den folgenden Jahren ebenfalls als Klassenzimmer verwendet werden, da die Schülerzahl von Jahr zu Jahr stieg und außerdem im Jahre 1968 der 2. Klassenzug errichtet wurde. Im Herbst 1969 zogen die Schüler mit fünf Klassen wieder in die Kaserne ein. Ein schwerer Schicksalsschlag hatte die Schule im August 1964 getroffen, als der damalige Direktor Siegfried Putz unerwartet gestorben war. Die Leitung wurde nun von Dir. Franz Deibl übernommen, der sich mit Erfolg bemühte, die Schule im Sinne seines Vorgängers weiterzuführen. Jahrelang wurden auch die Hauptschulen Liebenau, Rainbach, Neumarkt, St. Oswald und Windhaag als Exposituren (Außenstellen) geführt und von der Direktion der Hauptschule Freistadt geleitet. Trotz dieser sehr großen Verdichtung des Hauptschulnetzes im Bezirk wurden die Schüler nicht weniger. Am 1. Jänner 1969 übernahm Hauptschuldirektor Josef Anderle die Leitung. Der Unterricht wurde zu dieser Zeit sehr erschwert, da infolge Platzmangels in drei verschiedenen Gebäuden (Hauptschule, Volksschule, Kaserne) unterrichtet werden musste, und die Lehrer daher gezwungen waren, dauernd zu pendeln. Schüler und Lehrer sahen daher mit größter Erwartung dem unbedingt notwendig gewordenen zweiten Hauptschulneubau entgegen.
Am 4. Oktober 1971 wurde von der Stadtgemeindevertretung unter Bürgermeister Leopold Tröls und Vizebürgermeister Josef Knoll ein Architektenwettbewerb zum Bau einer neuen 24klassigen Hauptschule ausgeschrieben. Am 16. März 1972 wurde unter Vorsitz von Herrn Hofrat Dr. Krenner der 1. Preis an das Architektenteam
Rammer, Teutsch und Fürthner aus Freistadt vergeben. Nachdem am 20. November 1972 die Bauverhandlung stattfand, wurde am 13. April 1973 mit dem Humusaushub begonnen und bereits am 22. November 1974 fand nach Fertigstellung des Rohbaues die Gleichenfeier statt. Im Schuljahr 1976/77 konnte nun das Gebäude in Betrieb genommen werden.
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Als Direktor für die Hauptschule 2 wurde OSR Franz Tomschi bestellt.
Herr OSR Tomschi gilt als Begründer der
Musikhauptschule (HS 2). 20 Jahre später berichtet er in der Festschrift:Kaum eine Schwerpunktschule hat bei Eltern, Schülern und Lehrern so großen Anklang gefunden wie die Musikhauptschule, deren korrekte Bezeichnung eigentlich lautet "Hauptschule mit besonderer Berücksichtigung der musischen Ausbildung". Allein von dieser Benennung lässt sich schon ablesen, dass sie ein breitgefächertes Spektrum musischer Lehrinhalte anbietet. Sie ergänzen einander, sie überschneiden und fördern einander. Dass diese zum größten Teil über praktisches Tun wie instrumentales und vokales Musizieren, über die Erziehung zu rhythmischen Bewegungen udgl. umgesetzt werden, mag wohl eines der Erfolgsgeheimnisse dieses Schwerpunkttyps sein. Diese Erfahrungen haben gewiß dazu geführt, dass in der Normalhauptschule von heute begrenzte Schwerpunktbildungen im Rahmen der Schulautonomie möglich sind und begrüßt werden.
Zu Beginn der Siebzigerjahre wurde die Musikhauptschule, um die Kurzformel zu gebrauchen, in Schulversuchen in Graz und Vorarlberg erprobt. Die Ergebnisse waren von Anfang an so überzeugend, dass sich das Unterrichtsministerium schon 1976 dazu entschließen konnte, dieses Schwerpunktmodell gesetzlich zu verankern und damit allgemein zugänglich zu machen. Die Direktion der öffentlichen Hauptschule 2 Freistadt richtete sogleich an den Landesschulrat das Ansuchen, musische Schwerpunktklassen, das heißt Musikhauptschulklassen, errichten zu dürfen. Noch während des Schuljahres 1976/77 hat der Landesschulrat für Oberösterreich diese Genehmigung erteilt. An dieser Stelle darf allen Persönlichkeiten der Ämter und Behörden, insbesondere dem Herrn Bezirksschulinspektor RR Richard Grabmair, für die wohlwollende Unterstützung herzlich gedankt werden.
Im Herbst 1977 konnte mit der 1. Klasse Musikhauptschule begonnen werden. Das Interesse dafür war bei Schülern und Eltern von Anfang an groß. Das umfangreiche Ausbildungsangebot der Musikhauptschule erforderte eine erhebliche zahlenmäßige Aufstockung des Musiklehrerbestandes. Der damals noch herrschende Lehrermangel erlaubte es, im Lande nach geeigneten und dafür interessierten Lehrern Ausschau zu halten. Die für den Schüler vorgesehenen 6-7 Wochenstunden in Musik mußten beim Instrumentalunterricht in Kleingruppen und in Spielmusikstunden in Großgruppen durchgeführt werden. Dadurch fielen im Schnitt pro Musikklasse etwa 15 Lehrerstunden an.
Der Anfang dieses Musikunterrichtes war nicht ganz leicht. Außer einem Rahmenlehrplan stand uns eigentlich nichts zur Verfügung: keine schuleigenen Instrumente, keine für den neuen Musikunterricht ausgestatteten Schulräume, vor allem aber keinerlei Erfahrungen. Erfindergeist, Improvisationslust und der feste Glaube an diese gute Sache halfen uns aber über alle Schwierigkeiten hinweg. Als sich das erste Jahr der Musikhauptschule seinem Ende zu neigte, war das Bedürfnis nach Aussprache und Erfahrungsaustausch mit Kollegen der damals 9 in Österreich bestehenden Musikhauptschulen so groß geworden, dass es in Graz zu einer mehrtägigen Begegnung der besagten Musiklehrer kam. Dieses Zusammentreffen bewährte sich hervorragend.
Seither wurden , von der Schulbehörde unterstützt, einwöchige Treffen veranstaltet, die sogleich Fortbildungscharakter annahmen und namhafte Fachleute von den Musikakademien Österreichs zu Wort kommen ließen. Auf diese Weise blieb der Musikunterricht in der Musikhauptschule immer auf dem neuesten Stand. Die Teilnehmerzahlen dieser einwöchigen Seminare wuchsen von Jahr zu Jahr gewaltig an, eben in jenem Ausmaß, in dem sich die Zahl der Musikhauptschulen vergrößerte. Heute gibt es im ganzen Bundesgebiet 81 Musikhauptschulen, davon allein in Oberösterreich 16.
Die Bedeutung der Musik für den Menschen war in den letzten Jahrzehnten zunehmend Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen geworden. Musik bietet ein weites Feld für sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Das lässt sich bei oberflächlicher Betrachtungsweise unschwer erkennen. Lebendiger Umgang mit Musik führt aber auch in Bereiche, die für gesellschaftliche Probleme, für die Sicherung des Friedens und die Völkerverständigung immer bedeutsamer werden. Der Musiktherapie hat man auf Grund ihrer Erfolge in der Medizin schon längst einen festen Platz in der bunten Palette der Behandlungsmethoden zugewiesen. Das Musizieren wirkt sich auf die Kinder positiv aus. Diese Tatsache kann auf Grund der zwanzigjährigen Erfahrung der Musikhauptschule Freistadt voll und ganz bestätigt werden. Es war immer schon eine Freude zu bewundern, welche Kräfte und Fähigkeiten Musik zu mobilisieren vermag und wie sehr sich der Musikunterricht davon tragen lässt.
Freilich ist auch Knochenarbeit vonnöten, aber Freude und viele Erfolgserlebnisse rücken alle Mühen weit in den Hintergrund. Und diese Tatsache gilt für Schüler und Lehrer gleichermaßen. Mit Freude darf heute festgestellt werden, dass einige Schüler der Musikhauptschule ihre musikalische Ausbildung fortgesetzt und schließlich am Bruckner- Konservatorium in Linz mit einer staatlichen Lehramtsprüfung abgeschlossen haben.
Blickt man nun zwanzig Jahre zurück, dann zeigt sich, dass die Einführung der "Hauptschule mit besonderer Berücksichtigung der musischen Ausbildung" eine richtige und sehr wichtige Entscheidung unseres Schulsystems war. Wie stark die Lebenszeichen dieser Schwerpunktschule in den verflossenen zwanzig Jahren an der Freistädter Musikhauptschule waren, zeigen die überaus zahlreichen und vielfältigen Veranstaltungen.
Ich wünsche der Musikhauptschule Freistadt, dass sie auf ihrem Weg in die Zukunft den Schülern und Lehrern auch weiterhin Arbeitsfreude und Erfolg zu geben vermag. |