Zeitzeugengespräch

mit Walter Herda, der von 1940 bis 1945 im Jugend-KZ Moringen inhaftiert war



Projektleitung: Claudia Anuth

Weil er nicht zur Hitler-Jugend wollte, schickten die Nationalsozialisten Walter Herda im Alter von 15 Jahren in das Jugend-Konzentrationslager in Moringen (Kreis Northeim). Mit den anderen Gefangenen dort musste er Zwangsarbeit beim Bau einer Autobahn, in einer Sackfabrik und einer unterirdischen Munitionsfabrik im Solling leisten. Wer nicht spurte, erinnert sich Herda, musste stundenlang wie eine Spinne auf dem Rücken über ein Feld krabbeln. Die Häftlinge wurden geschlagen, gefoltert, viele auch erschossen. Ins Moringer Jugend-KZ mussten von 1940 bis 1945 männliche Jugendliche zwischen zwölf und 22 Jahren aus dem gesamten Reichsgebiet und aus den von deutschen Truppen besetzten Ländern. "Wir wurden von der SS terrorisiert und litten Hunger", erzählte Walter Herda. Ab 1941 versuchten "Kriminalbiologen" der Nazis, durch Untersuchungen an den Häftlingen ihre These zu belegen, dass Kriminalität und "Asozialität" erblich bedingt seien. Anfang April 1945 wurden die rund 500 Häftlinge des Jugend-KZ auf einen Evakuierungsmarsch Richtung Harz geschickt. Walter Herda gelang dabei die Flucht.