Geschichte und Sage von Schloß Klingenberg
Vier Kilometer westlich vom Markte Pabneukirchen liegt in der Gemeinde St. Thomas am Blasenstein, Pfarre Pabneukirchen, die Ruine Klingenberg. Das Schloß Klingenberg zählte zu den schönsten und ältesten des Landes. Das Castrum Chlingenperch bestand schon im 11. Jahrhundert. Es war ein mächtiger Bau mit einem viereckigen, hochzugespitzten und einem kleineren Turm. Die äußere Schloßmauer umgab in einer Stärke von nahezu zwei Metern die Burg. Ein starkes, mit Eisen beschlagenes Tor, neben dem eine Tür für die Fußgänger angebracht war, führte an der Westseite in den äußeren Schloßhof mit seinen Stallungen und Vorratskammern. Vom äußeren Schloßhofe führte ein gewölbter Stiegengang von 22 Stufen, an dessen Ende sich abermals ein festes Tor befand, zum eigentlichen Schlosse hinauf. In diesem befanden sich die Wohngemächer. Beim Eingang in den Turm lagen in einer Tiefe von zehn Metern die Gefängnisse. Da das Schloß von Westen her von feindlichen Geschossen erreicht werden konnte, wurde diese Seite durch eine mehr als zwei Meter starke Außenmauer geschützt.
Klingenberg Der erste urkundlich auftretende Herr von Klingenberg war ein gewisser Burkhart, dessen Name im Jahre 1276 vorkommt. In der Folgezeit wechselte die Burg oftmals den Besitzer. Einmal waren es die Herren von Wallsee, die Klingenberg pfandweise erhielten. Herzog Albrecht I. löste aber die Burg wieder ein. Auch die Liechtensteiner, ein altes Adelsgeschlecht Österreichs, hatten mit Klingenberg zu tun.
Im Jahre 1491 verkauften die Brüder Sigmund und Heinrich Prüeschenk, Reichs-Frei- und Panierherren zu Stettenberg, das Schloß Klingenberg an Leonhart Schneckenreuter um 1.400 Gulden ungarischer Münze. Im Jahre 1529 erhielt Achaz von Losenstein von Kaiser Ferdinand I. das Schloß Klingenberg. Damit war es wieder in den Besitz eines berühmten Geschlechtes übergegangen.

Klingenberg

Sebastian von Losenstein, ein Bruder des Achaz, war anläßlich der in Linz gefeierten Vermählung des Erzherzogs Ferdinand von Österreich mit Anna von Ungarn nach Linz gekommen. Hier las er die am Linzer Rathaus angeschlagene Aufforderung eines spanischen Ritters zum Zweikampf. Der unerschrockene Sebastian von Losenstein nahm die Aufforderung des Spaniers an. Auf dem Stadtplatz zu Linz wurden Bühnen für den Erzherzog, seine Gemahlin und seinen Hofstaat errichtet. Vor einer großen Menschenmenge ging dann dieser Zweikampf vor sich. Das Pferd des Losensteiners trug einen Maulkorb und er selbst außer den gewöhnlichen Waffen einen Bihänder, ein großes, nur mit zwei Händen zu führendes Schwert. Am Beginn des Kampfes verteidigte er sich nur gegen die wütenden Angriffe des Spaniers, sodaß viele Zuschauer glaubten, dem Losensteiner fehle es an Mut. Doch als der Spanier ermüdete, entfernte er den Maulkorb seines Pferdes. Sein wohldressiertes Pferd packte das Pferd das Spaniers bei den Nüstern und hielt es fest. Der Losensteiner ergriff nun seinen Bihänder und schlug mit wuchtigen Hieben seinem Gegner den Helm auf und verwundete ihn schwer. Der Erzherzog unterbrach den Kampf und ließden besiegten Spanierwegbringen. Der Losensteiner hatte durch Tapferkeit und List gesiegt, und er zog unter dem Jubel seiner Freunde und des Volkes als Sieger ab.

Um 1540 scheint Klingenberg einige Zeit unbewohntgewesen zu sein. In der Folge wechselte das Schloß nochmals des öfteren den Besitzer. Um 1700 schlug ein Blitz ein und äscherte es zum größten Teile ein. Wegen der mißlichen finanziellen Lage des Eigentümers wurde es nicht wieder restauriert. In der Folgezeit ging die Herrschaft Klingenberg an das Linzer Domkapitel über, in dessen Besitz es sich noch heute befindet. Um die Mitte der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts stürzte die südliche Hälfte des großen Turmes unter weithin hörbarem Krachen ein. Der vormals zum Besitze der Herrschaft gehörende Meierhof nebst den Grundstücken wurde im Jahre 1890 durch das Domkapitel in Linz von dem Besitzer Johann Kloibhofer, dem letzten "Mair am Klingenberg", um den Preis von 25.000 Kronen käufich erworben. Noch zu Beginn unseres Jahrhunderts war der in unmittelbarer Nähe des Einganges gelegene Burgteil bewohnt.

Heute noch hört man verschiedene Sagen vom Schloß Klingenberg. Die bekannteste ist die über die Entstehung des Hausnamens "Neunlinger" bei Klingenberg:

Einst zog ein Ritter von Klingenberg mit einem Kreuzzug ins Heilige Land. Während seiner Abwesenheit gab die Gemahlin des Ritters als Frucht ihrer ehelichen Untreue neun Kindern zugleich das Leben. Als nach der Rückkehr auf die heimatliche Burg der Ritter nach der Ursache des Wimmerns fragte, wurde ihm von seiner Ehegattin berichtet, daß diese kläglichen Laute von den Nachkommen einer Hündin stammten. Auf den wahren Grund gekommen, ließ der erboste Ritter die ungetreue Gemahlin samt den neun Kindlein in ein inwendig mit spitzen Nägeln beschlagenes Faß stecken und an der Ostseite der Burg den steilen Abhang hinunterrollen. An der Westseite des unten gelegenen Gehöftes ging das Faß in Trümmer, sodaß die Gemahlin des Ritters und ihre Neunlinge herausgeschleudert wurden und tot liegen blieben. Heute noch heißt dieses Gehöft "Neunlinger" und erinnert an diese längst vergangene Begebenheit.

>> zurück <<