SAITEN-GESPRÄCH mit KARL KASBAUER

FI Prof. Mag. Karl Kasbauer wurde 1949 in Linz geboren, sein Heimatort ist Waldkirchen/Wesen. Er besuchte von 1960 bis 1968 das Stiftsgymnasium in Wilhering. Nach der Matura studierte er in Salzburg am Mozarteum bzw. an der Universität Musikerziehung und Geschichte für das Lehramt an höheren Schulen (der Grundstein für dieses Studium wurde von seinem Musikprofessor Balduin Sulzer in Wilhering gelegt). Von 1973 bis 1992 Unterrichtstätigkeit als Professor am BORG Grieskirchen (u.a. langjähriger Leiter des Schulchors mit jährlich zwei Konzerten). In seiner Freizeit ist Prof. Kasbauer auch Leiter der Stadtkapelle Grieskirchen.

Seit Mai 1992 Fachinspektor für Musikerziehung und Instrumentalunterricht am Landesschulrat für OÖ.

Seine Eltern, Groß- u. Urgroßeltern waren Volksschullehrer, er ist verheiratet mit einer Hauptschullehrerin, die beiden Kinder studieren Jus bzw. Musikerziehung.

Welche Aufgaben und Funktionen hat ein Fachinspektor für Musikerziehung am Landesschulrat für OÖ?

Inspektionstätigkeit (Beratung, Koordination) in "Musikerziehung" und "Instrumentalunterricht" an allen AHS und BMHS in OÖ.
Beratungstätigkeit und Belange der Fortbildung im Bereich Musik an allen Pflichtschulen in OÖ
Mitarbeit in verschiedensten schulischen und außerschulischen Arbeitskreisen
"Anlaufstelle" im Landesschulrat für alle möglichen Angelegenheiten im Musikbereich (Koordination der Aktion des BMUK "Kinder musizieren für Kinder", Tätigkeit als Juror bei "Prima la Musica", Landes- u. Bundesjugendsingen u. bei div. Wettbewerben...)
Lehrer/Innen, die neue Ideen (inhaltlich, organisatorisch...) haben, ermutigen, diese umzusetzen, sie dabei zu unterstützen...
Innovation fördern...

é Anm.: FI Prof. Kasbauer pflegt weit über seine Aufgabe als Fachinspektor hinaus persönliche Kontakte in angenehm freundschaftlicher Atmosphäre.û

Konfuzius sagt: "Erzähle mir und ich vergesse. Zeige mir und ich erinnere. Lass es mich tun und ich verstehe." Die Anforderungen unserer Zeit stellen an die Bildung von Jugendlichen neue Ansprüche. Individualisierung statt Konformismus, Teamarbeit statt Einzelkämpfertum, vernetztes Denken statt Schubladisierung... - wie kann der Lehrer da noch mithalten?

Für Musiklehrer eigentlich nichts Neues: Förderung der Individualität, Entwicklung von Teamgeist (gemeinsames Musizieren), vernetztes Denken (etwa im Bereich Musiktheater), Aktivierung der Schüler durch praktisches Musizieren...

Mithalten kann ein Lehrer, wenn er die Wünsche und Bedürfnisse der Schüler/Innen kennt und diese bei seinem Unterricht auch berücksichtigt, und wenn er vor allem seine fachliche Kompetenz einsetzt, um seine Begeisterung und Freude an der Musik auf die Jugendlichen zu übertragen. Gefordert sind höchstmöglich persönliches Engagement, Nutzung der persönlichen Stärken, Fingerspitzengefühl im Unterricht beim Abwägen zwischen Schülerinteressen und dem persönlich gesetzten Lehr- und Lernziel, sowie ein erfrischendes Musikantentum!

Ziel und Intention des Musikunterrichtes soll die Förderung des Individuums sein, das den Menschen befähigt, Zuzuhören und aufeinander Rücksicht zu nehmen (wie etwa beim gemeinsamen Musizieren).

Inwieweit ist Tradition nicht als Beharrungsmoment, sondern als Erkenntnisbringer für Veränderungen nutzbar?

Gemeint ist hier sicher die Tradition im Hinblick auf den Unterricht: Wenn ich davon ausgehe, dass ein Lehrer einer ist, der auf Grund seiner fachlichen und pädagogischen Ausbildung befähigt ist, Kindern und Jugendlichen in ihrer Entwicklung zu helfen, ihnen Wissen zu vermitteln, ihnen Wege zu zeigen, sich selbst Wissen anzueignen, sie neugierig zu machen, Begeisterung oder zumindest Verständnis wecken zu können, dann sehe ich eigentlich keinen Widerspruch zwischen einem traditionellen und einem "modernen" Lehrerbild.

Entscheidend ist für mich letztlich, ob bzw. wie es gelingt, die Jugendlichen von der persönlichen Begeisterung an der Musik anzustecken.

Veränderungen, die sich auf Grund äußerer Rahmenbedingungen ergeben, sollten als willkommene Chance im Unterrichtsalltag genutzt werden, sie bringen Abwechslung in den Unterricht und halten vor allem den Lehrer geistig jung!

Welche musikpädagogischen Modelle werden gegenwärtigen Anforderungen gerecht?

Ich plädiere für eine vernünftige Vermischung möglichst vieler musikpädagogischer Modelle - vom "offenen Lernen" bis zum "Frontalunterricht", entscheidend ist die Lebendigkeit des Unterrichtes. Allerdings: die musikalische Praxis (vom gemeinsamen Musizieren bis zum bewußten, differenzierten Hören) muss im Vordergrund stehen - die "Theorie" hat nur in Verbindung mit der Praxis Sinn und Berechtigung!

Welche Vorstellungen sind überholt und welche Faktoren verhindern Änderungen?

Der Lehrer als reiner Wissensvermittler, der Lehrer als Lieferant von Informationen mit fehlendem Engagement und schlechter Vorbereitung, der sich hinter Einzelbereiche des Lehrplanes "versteckt".

Die leider noch immer viel zu häufig anzutreffende Vorstellung weiter Bevölkerungsteile, Musik sei lediglich ein nettes Ornament im Leben und natürlich auch in der Schule.

Die Beschäftigung mit Musik erfordert konsequente und kontinuierliche Arbeit auf emotionaler und kognitiver Ebene, damit der Musikunterricht sowohl im schulischen Fächerkanon als auch im gesellschaftlichen Bereich jenen Stellenwert erhält, der ihm zusteht!

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Inspector Prof. Mag. Karl Kasbauer was born in Linz in 1949. Now he is living in Grieskirchen, a tiny village in Upper Austria. From 1960 to 1968 he attended the "Convent Grammar School" in Wilhering. After the A – levels he was studying musical education and history at the University as well as at the Mozarteum in Salzburg. His musical teacher in Wilhering - Prof. Balduin Sulzer – had influenced him in his professional choice.

From 1973 to 1992 Mister Kasbauer was teaching at the High School in Grieskirchen (there he also was the longstanding conductor of "The School Choir" – giving two concerts annually). In his free-time he conducts the "Town Orchestra Grieskirchen".

Since 1992 Mag. Karl Kasbauer has been responsible for the musical and instrumental education at the National Education Board in Upper Austria.

His parents, grand-parents and grand-grand-parents were teachers at elementary schools. Mister Kasbauer is married with a teacher at a secondary modern school. His two daughters are studying musical education respectively law.

What are the duties of an "inspector" for musical education?

Inspecting teachers (and offering them advises and co-ordination) at all High Schools in Upper Austria.

Consultations about further training-courses concerning musical education at all compulsory schools in Upper Austria

Working on different educational and external study groups

My office should be a place to go for all kind of matters concerning the musical genre (co-ordination of the campaign of the Ministry for Education "Children are Playing Music for Children", being a member of the jury at the contest "Prima la Musica" and at various federal and national contests.

It`s also my job to encourage teachers who have got new ideas concerning any musical subject or the organisation and support them to implement their ideas.

To push innovations......

Confucius says: "Tell me and I´ll forget. Show me and I will remember. Let me do it and I will understand." The demands of our time expect a great new deal of our youth. Individuality instead of conformism, teamwork instead of individual competition and a network thinking instead of a stereotyped one – how is a teacher able to keep pace?

For music teachers indeed no news: Sponsorship of the individuality, build up of team spirit (common playing music), network thinking (for instance in the field of the musical theatre), activation of the pupils playing music.

A teacher can only fulfil the expectations if he knows the desires and wishes of his pupils and takes them into consideration during his teaching.

It`s very important that the teacher uses his professional competence in order to transfer enthusiasm and joy for music to the younger generation.

There is a call for great personal engagement and the use of the personal strength. While teaching an instinct is asked to weigh up the wishes of the pupils and the teacher´s personal targets as well as a vividly musicality.

Intention and aim of music lessons should be the stimulation of the individual which enables the human being to listen to and care about others (as for instance in playing music together)

In what way can tradition be used as a signpost for change and thus doesn´t mean conservatism?

In this case we are talking about the tradition concerning teaching. On the assumption that a teacher is a person according to his professional and pedagogical training who is able to support pupils and young people in their development, impart knowledge, show ways to acquire knowledge, to make them curious, to stir up enthusiasm or at least understanding. In those cases there is no contradiction between the traditional and the "modern" picture of a teacher.

In the end it is up to me weather I´m able to catch the enthusiasm for music in the young generation.

Changes that occur due to a general set-up should be used as an opportunity to bring change to the daily school-routine. In addition the teacher is kept spiritually young, too.

What kind of pedagogical models do fulfil the current demands?

I recommend a reasonable mix-up of pedagogical models – as many as possible – starting with the model of the "open learning" to the "classical teaching". Most important is the liveliness of the lessons. But the musical activity must be top priority (starting with getting together to play music to the conscious different hearing), Theory is only allowed in connection with the practical use.

What methods and thoughts are outstripped and what kind of factors do prevent a change?

The teacher – only as a provider of knowledge, the teacher – as a supplier of information without engagement and badly preparation, who "hides " himself behind a single field of the curriculum.

The picture that music is only a nice decoration in our life – unfortunately prevails to a great part in our society.

Being busy with music demands firm and steady work in the emotional and cognitive field so that the musical lessons play the role which they deserve in the combination of subjects as well as in social life.