Bericht der Zeitzeugin Frau Michaela Vidlakova, geb. 1936 in Prag

Vortrag in der NMS der Franziskanerinnen am 6. Mai 2019

Was bewegt ein 6-jähriges jüdisches Mädchen, in ihr Gepäck für den Abtransport ins Sammellager Theresienstadt ein kleines aus Holz gedrechseltes Spielzeug einzupacken und mit diesem Holzhund das Überleben ihres Vaters zu sichern? Die Familie konnte in Theresienstadt bleiben, weil eben ein Handwerker, der mit Holz umgehen kann, im Sammellager gebraucht wurde.

Und wie einsam muss das Mädchen gewesen sein, als es im Alter von vier Jahren plötzlich nicht mehr mit ihren tschechischen Freunden spielen durfte? Und es ihr nicht erlaubt war, einen Kindergarten oder Spielplatz zu besuchen und Juden in der Prager Straßenbahn nur stehend im letzten Wagen mitfahren konnten.

Und welche Schikanen musste ihre Familie und alle Juden ertragen, als sie Radios, Fahrräder, Haustiere und auch Musikinstrumente abgeben mussten? Und nur nachmittags zwischen 15 Uhr und 17 Uhr einkaufen durften, eine Zeit, in welcher es selten noch Brot gab. Und es Juden verboten war, Milch, Süßigkeiten, Stoffe und Schuhe zu kaufen. Was für das Mädchen bedeutete, dass sie von nun an auf ihren geliebten Grießbrei verzichten musste.

Und wie bedrückend musste es für das Mädchen Michaela gewesen sein, um Essen bettelnde alte halb verhungerte Menschen zu sehen, denen sie manchmal ihre Suppe überließ, weil sie dabei an ihre Großeltern dachte und hoffte, dass auch ihnen von mitfühlenden Menschen geholfen werden würde. Sie wusste nicht, dass zu dieser Zeit ihr Opa und ihre Oma schon getötet worden waren.

Und welch glücklicher Umstand war es, dass ihr Vater, der im Dezember 1944 schon für den Transport nach Osten vorgesehen war, im letzten Moment seinem Schicksal entkommen konnte. Warum? Weil ein Sturm das Dach einer Baracke abgetragen hatte und sofort Zimmerleute für die Reparatur gebraucht worden waren.

Über solche Erlebnisse aus ihrer Kindheit und vieles mehr von Menschen im KZ berichtete Frau Vidlakova vor den vierten Klassen, die gebannt zuhörten und Fragen stellten.

Die bedrückenden Fakten: Von insgesamt 6 Millionen ermordeter Juden waren 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche. Und nur 7 % von den 140.000 Juden, die ins Sammellager Theresienstadt gebracht worden waren, haben überlebt.

Frau Michaela Vidlakova beendete ihren Vortrag mit dem Gedicht: „Alles wird gut.“


Bericht der Zeitzeugin Frau Michaela Vidlakova

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