Kater Fridolin in Gefahr

Isabella Herdega 

 

An einem sonnigen Tag stand Kater Fridolin mit der Biene Sumsi vor einer Buchhandlung und sah sehnsüchtig auf die vielen Bücher in der Auslage der Buchhandlung. Sumsi interessierte sich nicht für die Bücher in der Auslage, sondern für ihr Spiegelbild, das sich in der Scheibe spiegelte.

 

Da flog plötzlich eine Fee in Windeseile an ihnen vorbei und verlor dabei einen Lippenstift, eine Geldbörse, ihren roten Stöckelschuh und ein Buch mit gelben Hintergrund und einem komischen Zeichen darauf. Kater Fridolin nahm das Buch in seine Pfoten und schlug es auf. Er selbst setzte sich ins Gras und sah sich die kleinen Bilder an, die auf den Buchseiten abgebildet waren. Die kleine Biene Sumsi stand mit ihren kleinen Füßen in dem großen Schuh der Fee und schmierte sich Lippenstift auf ihre kleinen Lippen.

Neben dem Buch, das Kater Fridolin aufgeschlagen hatte, lag die Herzgeldbörse im Gras. Fridolin betrachtete die vielen kleinen Bilder, die Schweineköpfe, die Rauchfangkehrerhüte und die vierblättrigen Kleeblätter. Der Kater wusste nicht, was diese Symbole zu bedeuten hatten. Über diese Zeichen stand geschrieben: SPARBUCH. Kater Fridolin kratzte sich am Kopf und meinte:  „Wofür braucht man so ein Buch?“ Da meldete sich Sumsi zu Wort: „Du, Fridolin, in dem Buch steht ein Name!“ Erst jetzt bemerkte Fridolin den Namen auf der Buchseite. Fridolin las den Namen laut vor: „ FEE! Also müssen wir nach einer gewissen Fee suchen.“ Sumsi überlegte laut: „Feen gibt es hauptsächlich im Märchenzauberwald. Na, dann nichts wie in den Märchenzauberwald!“

 

So zogen die beiden Freunde los. Als sie endlich angekommen waren, hüpfte der Froschkönig an ihnen vorbei. „He, warte!“ schrie Fridolin ihm nach. Der Froschkönig drehte sich um und murmelte etwas Unverständliches. „Was wollt ihr:?“ fragte er schließlich. „Wir wollten dich fragen, ob dir dieses Sparbuch vielleicht gehört.“ entgegnete Fridolin. „Nein,  mir gehört dieses Sparbuch nicht.“ sagte der Froschkönig. „Fragt doch das Rotkäppchen. Es könnte ihm gehören!“ „Danke für deine Hilfe, Froschkönig!“ bedankte sich Fridolin. Sie marschierten bereits eine halbe Stunde, als sie auf einmal ein rotes Käppchen in der Wiese leuchten sahen. „Rotkäppchen!“ riefen Sumsi und Fridolin wie aus einem Munde. Rotkäppchen schreckte auf: „Was wollt ihr von mir?“ „Wir wollten dich fragen, ob dir vielleicht dieses Sparbuch gehört.“ wollte Fridolin wissen. „Mein Sparbuch liegt zu Hause verschlossen in einer Schublade!“ antwortete Rotkäppchen. Erst jetzt bemerkten Fridolin und Sumsi den Wolf neben Rotkäppchen. „Jetzt beeil dich Mädchen, ich will endlich die Großmutter und dich verspeisen!“ brüllte der Wolf. Kater Fridolin murmelte: „Lieber Wolf, gehört dir dieses Sparbuch?“ Der Wolf schüttelte den Kopf und wollte schnell weiter gehen. Rotkäppchen meinte zum Schluss: „Geht doch zum Gestiefelten Kater. Der ist heute schon umhergerannt und hat geschrien: Wo ist mein Buch? Folgt einfach diesem Weg. Dann seid ihr bald am Ziel.“ Fridolin und Sumsi bedankten sich. Nun spazierten die beiden Freunde dahin. Bei der Weggabelung bogen sie links ab und folgten dem Weg bis zu einer großen Wiese. Sie hörten ein Rascheln und kurz darauf sahen sie Stiefel vor ihren Augen. Die beiden blickten in das Gesicht des Gestiefelten Katers. „Hallo! Was wollt ihr hier?“ lächelte der Kater.

„Wir wollen dich fragen, ob dir dieses Sparbuch gehört? Du suchst doch ein Buch?“ sagte Fridolin. Der Gestiefelte Kater antwortete zögernd: „Das stimmt. Ich suche mein Märchenbuch. Es ist mir jetzt peinlich. Ich muss leider gestehen, dass ich vergessen habe, wie es in meinem Märchen weiter geht!“ Fridolin wollte dem Gestiefelten Kater helfen: „Bei welcher Stelle des Märchens weißt du nicht mehr weiter? Vielleicht kann ich dir helfen. Märchen habe ich schon immer gern gelesen!“

Der Gestiefelte Kater erzählte: „ Ich bin dort stehen geblieben, wo mein Herrchen mir die Stiefel kauft.“ Kater Fridolin erinnerte sich: „Natürlich kann ich dir da helfen. Also nachdem dir dein Herr die Stiefel gekauft hatte, versuchst du mit ihnen zu laufen und..“ Weiter brauchte Fridolin nicht mehr erzählen. Der Gestiefelte Kater wusste, was er weiter machen musste und wollte auch Fridolin und Sumsi helfen: „Dieses Sparbuch gehört nicht mir. Aber fragt doch die 7 Zwerge. Geht diesen Pfad entlang. In einigen Minuten seid ihr bei den 7 Zwergen.“ Die beiden Freunde verließen die Wiese und richtig, schon nach wenigen Minuten sahen sie graue Gestalten. Sie begrüßten sich. Fridolin fiel auf, dass es nur 6 Zwerge waren. „Zwerg Hatschi haben wir zuhause gelassen, weil .. weil.. weil er so viel niest. Und da hätte er nur bei der Arbeit gestört“ stotterte ein Zwerg. Fridolin fragte: „ Gehört jemandem von euch dieses Sparbuch?“ Zwerg 2 erkannte gleich, dass dieses Sparbuch ein wertvolles Buch sei, deshalb sagte er schnell: „Ja, das gehört uns. Das suchen wir schon die ganze Zeit!“ „Was meinst du, Sumsi? Sollen wir es ihnen geben?“ flüsterte Fridolin Sumsi ins Ohr. Aber Sumsi traute den Gestalten nicht und beschloss, es ihnen nicht zu geben: „Tut uns Leid, wir geben es euch nicht!“ Fridolin fragte freundlich: „Könnt ihr uns sagen, wo wir noch suchen sollen?“ Zwerg 1 sah doch noch eine Chance, an das Buch heranzukommen und meldete sich zu Wort: „Ja, ich kann euch einen Rat geben, wo ihr weiter suchen könnt. Ihr braucht nur dem Pfad weiter zu folgen, dann kommt ihr in einen Wald. Vielleicht ist dort jemand, dem das Sparbuch gehört!“

 

Vergnügt gingen Fridolin und Sumsi weiter und kamen bald in einen Märchenwald, so wie der Zwerg gesagt hatte. Als sie mitten im Wald standen, kletterte Fridolin auf den höchsten Baum und zeigte drei Vögeln das Sparbuch. Sumsi schaute sich in der Zwischenzeit im Wald um und entdeckte einen Mann im Baum. „Fridolin, da sitzt jemand im Baum und beobachtet dich!“ summte die Biene ihrem Freund ins Ohr. Zuerst konnte Fridolin von oben niemanden sehen, aber dann bemerkte er tatsächlich zuerst einen Mann mit einer Hacke und schließlich viele dunkle Gestalten.

Sumsi rief: „Fridolin, das sind die 6 Zwerge von vorher!“

 

 Ein wütender Zwerg schrie: „Gib uns das Sparbuch, du Wicht!“ Fridolin fragte: „ Seid ihr überhaupt richtige Zwerge?“ „Ach quatsch. Hast du geglaubt, dass wir echte Zwerge sind? Wir sind Räuber.“ brummte der aufgebrachte Räuber. „Wir wollen das Sparbuch und wenn du es uns nicht gibst, werden wir es uns holen. Du hast drei Sekunden Zeit, uns das Sparbuch zu geben!“ Er zählte: „ 1,2 und 3. So, du hast deine Chance gehabt. Jetzt holen wir uns das Sparbuch.“ Der Anführer der Räuber befahl einem Mann, hinauf zu klettern.

 

Sumsi erkannte die Gefahr und flog schnell weg. Sie wollte die Fee suchen und um Hilfe bitten. „Halte durch!“ rief sie ihrem Freund hinterher und sauste tiefer in den Wald hinein. Auf einer Waldlichtung machte Sumsi Halt. Dort sah sie eine aufgebrachte Fee und fragte: „Was ist los? Warum bist du so durcheinander?“

Die Fee weinte fast: „Ich finde meinen zweiten Stöckelschuh nicht mehr und meine Geldbörse ist auch verschwunden. Mein neuer Lippenstift ist auch nicht mehr da. Aber das schlimmste ist, ich kann mein Sparbuch nicht finden.“ Jetzt wurde Sumsi hellhörig: „Hat dein Sparbuch einen gelben Hintergrund und ein X-Zeichen darauf? Ja? Dieses Sparbuch haben mein Freund und ich gefunden.“ „Kannst du mich zu deinem Freund führen?“ bittet die Fee Asura. Erst jetzt fiel Sumsi wieder ein, warum sie die Fee suchte: „ Du bist eine Märchenfee. Mein Freund Fridolin ist in Gefahr. Kannst du ihm helfen?“ Natürlich wollte Asura helfen und so flogen beide in den Märchenwald. Gerade als der Räuber Fridolin beim Schwanz packen wollte, schrie die Fee: „ Lass den Kater los, sonst verwandle ich dich in einen Frosch.“ Schnell verschwanden alle Räuber aus dem Märchenwald.

 

Fridolin und das Sparbuch waren gerettet. Fridolin und Sumsi gaben der Fee die Geldbörse, den Lippenstift und den roten Stöckelschuh. „Du darfst dir jetzt ein Glückssymbol aussuchen, Fridolin.“ Bedankte sich die Fee Asura. Fridolin entschied sich für das vierblättrige Kleeblatt. Und das war eine gute Wahl. Denn mit diesem Zeichen konnte sich Fridolin einen Wunsch erfüllen.

 

Welchen Wunsch sich Fridolin wohl erfüllen wird? Das erfahrt ihr in einer nächsten Geschichte.

 

 

 

 

 

 

Isabella Herdega, Oktober/Nobember 2007

VS 2 Gallneukirchen, 4b-Klasse