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Wirtschaftskundliches
Realgymnasium der Franziskanerinnen
2 Maturantinnen
des Schuljahres 2009/10 sind für ein Jahr zu einem freiwilligen
Einsatz ausgereist: Andrea nach Mali und Marlene nach Bolivien.
Lesen Sie hier die ersten Berichte unserer ehemaligen Schülerinnen:
A ni ce!
Diese Begrüßung (Bambara) höre
ich hier oft, denn obwohl Französisch die einzige offizielle
Sprache ist in Mali, wird sie nur von ca. 10% der Bevölkerung
gesprochen, was natürlich nicht zuletzt an der mangelnden Bildung
der Leute liegt. In einer öffentlichen Schule kann es leicht
vorkommen, dass mehr als 100 SchülerInnen in einer Klasse sitzen,
und selbst bei bis zu 50 SchülerInnen in einer Privatschule,
die sich natürlich viele gar nicht leisten können, fallen
die Schwächeren leider oft durch den Rost. Dazu kommt noch
der große Altersunterschied innerhalb der Klassen, da viele
Familien nicht die Mittel haben, ihre Kinder durchgehend zur Schule
zu schicken. In der 9. Klasse, die ungefähr unserer 5. Klasse
Gymnasium entspricht, sitzen beispielsweise 13 – 17-jährige
SchülerInnen.
Ich wohne und arbeite ein Jahr lang in
einem Projekt der Don Bosco Schwestern in der Nähe der Hauptstadt
Bamako im Süden des Landes. Unter anderem gebe ich Nachhilfe
für Kinder, die nur durch Patenschaften in die Schule gehen
können, was natürlich nicht immer einfach ist. Mit einem Mädchen
aus der 5. Klasse übe ich beispielsweise mühevoll das
Lesen und ein Junge aus der 3. Klasse kann noch nicht einmal schreiben!
Anstatt die SchülerInnen zu motivieren und sie für eine gute Leistung zu belohnen,
werden leider oft nur die negativen Sachen hervorgehoben und nicht
selten Kopfnüsse verteilt. Oft fühle ich mich dagegen
machtlos und das Beste, das ich dagegen tun kann, ist meinen Zeichen-,
Musik- oder Religionsunterricht anders zu gestalten. Besonders gern
verbringe ich Zeit mit den Internatsmädchen, die von Kochen
über Putzen bis zu Wäschewaschen (selbstverständlich
mit der Hand) alles selber machen müssen, dabei aber immer
fröhlich sind und mich immer wieder mit ihrer guten Laune anstecken.
Jeden Samstag findet das Oratorium statt, zu dem alle Kinder aus
der Umgebung kommen können, um gemeinsam zu basteln, zu spielen
und sich zu amüsieren. Ab dem 2. Trimester (nach Weihnachten)
werden wir auch eine Gruppe übernehmen, außerdem einen
Tanzkurs, und wenn es die Zeit zulässt Englischnachhilfe geben.
An unseren freien Tagen fahren wir öfter
in die Stadt, wo wir als „Tubabus“ (Weiße oder im engeren
Sinne EuropäerInnen) natürlich sofort auffallen. Wir können
kaum zwei Schritte gehen, ohne angeredet zu werden, was wir kaufen
wollen oder ob wir Freunde sein können. Generell sind die Malier
aber sehr gastfreundlich und auch die „afrikanische Gemütlichkeit“
wird hier ihrem Namen getreu.
Selbstverständlich ist hier vieles
anders als bei uns, und auch wenn ich einiges vermisse (sei es warmes
Wasser, ein bequemes Bett oder gewisse Mahlzeiten), bin ich sehr
froh, dass ich hier sein und das alles erleben darf!
Wer mehr über meinen Einsatz wissen
will, findet aktuelle Berichte auf meinem Blog andrea-in-mali.jimdo.com
Andrea Rabeder
Marlene in Cochabamba
Am 17. September startete meine Reise als
MaZ (Missionarin auf Zeit) ins weitentfernte Bolivien. Von Muenchen
flog ich ueber São Paulo nach Asunción,
weiter nach Santa Cruz und schliesslich nach Cochabamba, wo ich
von den Leitern meiner Sprachschule abgeholt und zu meiner Gastfamilie
gebracht wurde.
Vier Wochen hatte ich taeglich vier
Stunden Einzelunterricht, um bis vor kurzen noch nicht vorhandenen
Spanischkenntnisse zu entwickeln.
DIE STADT
Cochabamba gehoert zu den vier groessten Staedten Boliviens und
ruehmt sich mit ihrem Wahrzeichen, dem Christo de la Concordia.
Diese Statue, die groesser als der beruehmte Christo in Rio ist,
steht auf einem Berg, haelt seine Arme ueber die Stadt und ist von
beinahe jedem Punkt Cochabambas zu sehen.
Cochabamba wird hier auch die „Hauptstadt des Essens“ genannt und
ja, man kann hier wirklich gut und guenstig essen. Sei es typische
bolivianische Kost (Suppe, danach ein Teller mit Reis, Kartoffeln,
Salat und IMMER Fleisch), Empanadas und Salteñas (verschieden
gefuellte Teigtaschen) oder kleine Snacks, an jeder Ecke wird hier
Essen verkauft.
Man findet auf der Strasse auch zahlreiche Stellen, an denen man
seinen Blutzuckerspiegel messen lassen kann. Coca Cola, so koennte
man glauben, gehoert wohl zu den Grundnahrungsmitteln, ebenso uebersuesste
Limonaden. Was es hier noch Typisches gibt, das ist Chicha, ein
Maisbier. Traditionell wird es hergestellt indem Mais gekaut wird,
wodurch die alkoholische Gaerung ermoeglicht wird. Diese Bierbraukunst
ist ueber 1400 Jahre alt. In der Cicharia habe ich wahrscheinlich
industriell Hergestellte getrunken, bei einer Familienfeier wahrscheinlich
Traditionelle („Das hat die Tante selber gemacht!!!“).
DER OEFFENTLICHE VERKEHR
Die MICROS: der Bus, ein Abenteuer. Die Busse sind grellbunt angemalt
und innen dekoriert (mit Kitsch, religioesen Dingen, Fotos, Superhelden,
Blumen,...). Beim Einsteigen zahlt man dem Chauffeur 1,5Bs und nicht
selten kommt es vor, dass dieser schon losfaehrt, sich gemuetlich
umdreht und das Geld entegegennimmt bzw. wechselt. Die Tuer ist prinzipiell immer offen, und
wenn der Bus echt voll ist, steht man auf der ersten Stufe in der
Tuere und hofft, bei der naechsten Kurve immer noch da zu stehen.
Und da einige Busse recht niedrig sind, muss ich schon mal den Kopf
einziehen. Von den Beinen ganz zu schweigen, die haben gerade sitzend
keinen Platz. Der Bus faehrt eine fixe Route und wer ausstigen wil,
ruft dem Fahrer einfach zu. Ebensoleicht ist das Einsteigen, man
stellt sich an den Strassenrand und winkt. Ein besonderes Vergnuegen
ist, wenn im Bus musiziert wird.
Wer lieber mit dem TRUFI faehrt, sitzt in einem Kleinbus, entweder
auf dem Sitz oder auf dem Boden. Auch hier gilt, je mehr Menschen
sich reinquetschen, desto besser.
Der Verkehr ist relativ wild, die meisten halten sich aber an die
Ampeln. Zur Sicherheit, damit jeder weiss „jetzt komme ich“, wird
gehupt.
DER MARKT
Der riesengrosse Markt hier heisst „Cancha“. Hier kann man von Obst
ueber Gewand, Elektroartikel, Buerobedarf, Kosmetikartikel, Gartengeraete
einfach alles kaufen. Es ist so, als haette man die Geschaefte einfach
ausgeraeumt und alles auf den Markt getragen. Es gibt verschiedene
Gassen (eine mit Handys, eine mit Blechartikel,...) und wenn man
weiss, wo man hin muss, kriegt man hier glaube ich alles.
Mittlerweile bin ich in mein Projekt am Stadtrand von
Cochabamba uebersiedelt. Gemeinsam mit Steffi, einer 20-jaehrigen
Deutschen, wohne und arbeite ich im Barrio 20 de Octubre.
Die Eindruecke des ersten Monats schildere ich hier:
Es ist Freitagmittag. Die Sonne steht
im Zenit und treibt uns den Schweiß
aus den Poren. An ein wackeliges Garagentor gelehnt sind wir gezwungen,
den minimal vorhandenen Schatten maximal auszunutzen. Die nette
Pfirsichsaftverkäuferin an der Ecke hat uns gerade, wie
immer gut gelaunt, erklärt, dass aufgrund einer Straßenblockade
keine Taxis in unser Barrio (Viertel) fahren.
Nun sitzen wir hier also mit unseren Säcken,
gefüllt
mit Bananen, Mangos, Avocados, Gurken, Orangen, Zucchini
und, um zu den
Grundnahrungsmitteln zu kommen, Knoblauch, Zwiebel und Brot. Unseren
Einkauf tätigen
wir nämlich
üblicherweise
auf der „Cancha“, einem der größten
Straßenmärkte
Lateinamerikas, wo wir als „Gringas“ (Weiße)
unsere Fähigkeit
zu handeln beweisen müssen, um dieselben Preise wie Einheimische
zu zahlen. Im Gegensatz zu anderen MaZ-lern sind wir nämlich
Selbstversorger und können den über
halbstündigen
Weg in die Stadt nicht jeden Tag antreten. Dies liegt nicht zuletzt
daran, dass unser Barrio nach 18:00 Uhr von keinen Taxis mehr befahren
wird.
Diese Fahrten kann man sich übrigens
so vorstellen: Man sitzt mit mindestens sechs Mitfahrern eingequetscht
in einem PKW, welcher die TÜV-Prüfung
wohl nicht überleben würde
(Rekord: zu fünfzehnt!). Eine stillende Mutter ist
meistens dabei und nicht selten landet man zwischen Obst, Gemüse
und anderen Einkäufen im Kofferraum. Durchgeschüttelt
von der Fahrt in das an einem Hang gelegenen Viertel steigen wir
bei unserem Häuschen aus, das sich von den anderen nur durch
die Existenz unseres „Wellblechbads“ außerhalb
unterscheidet. Dieses schaut so aus, dass wir einerseits ein Plumpsklo
und andererseits ein Räumchen haben, in dem wir uns waschen können,
denn ja, wir haben weder Dusche noch fließendes
Wasser, jedoch einen Brunnen hinterm Haus, aus dem wir unser Wasser
mit einem Kübel an einem Seil herausziehen. Zum Trinken
müssen
wir dieses selbverständlich sieben und abkochen. Wir bewohnen ein
Zimmer, ausgestattet mit Hochbett, einem Kasten und Regal, Sesseln,
Tisch und einem kleinen Gasherd. Rund um uns wohnen ganze Familien
auf diesem Raum.
Die Befriedigung unserer Grundbedürfnisse
und tägliche
Haushaltstätigkeiten beanspruchen viel Zeit und Energie,
doch unsere eigentliche Arbeit als MaZ-lerinnen liegt im Projekt.
Wir
arbeiten dienstags bis samstags in einer von den zwei Schwestern
ins Leben gerufenen Hausaufgabenbetreuung. Dort treffen wir auf
Kinder zwischen sechs und vierzehn Jahren, denen wir beim Lesen,
Schreiben und Rechnen helfen. Bei manchen gibt es weniger zu tun,
jedoch bei anderen sind die Probleme umso gravierender. So kommen
Schüler,
die im dritten Schuljahr weder das Rechnen noch das Lesen und Schreiben
beherrschen. Für sie gibt es bei uns einmal pro Woche
Förderunterricht.
Doch die Kinder finden hier nicht nur Hilfe in Schulangelegenheiten
sondern auch Aufmerksamkeit, Geduld, Interesse an ihren Belangen,
einen Tisch zum Arbeiten (denn dieser ist nicht in allen Familien
vorhanden) und eine kleine Mahlzeit vor dem Heimgehen.
Durch die Lebhaftigkeit vieler Jungs und Mädchen
geht es meist lustig und abwechslungsreich zu. Ein besonders interessanter
Moment war, als wir ein Mädchen
fragten, wieviele Geschwister es habe und die Aufzählung
der Namen scheinbar kein Ende hatte.
Durch all die Begegnungen, die häufig
doch so fröhlich sind, können
wir meistens mit einem guten Gefühl
den Heimweg antreten. Ebendiese Begegnungen sind es , die so manche
Schwierigkeiten (Visum, eingeschränkte
Möglichkeit
zu planen, Anderssein,...) erträglich
und unseren Alltag lebenswert machen.
Wir sind übrigens
trotz Straßenblockade noch in unser Barrio gekommen,
zwar auf vielen Umwegen aber deshalb umso mehr Eindrücken.
Es funktioniert ja doch immer irgendwie nach dem Motto „Vamos a
ver“ (Man wird sehen).
marlene-ecker@gmx.at

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